Hollywoods Cancel-Culture muss einheitlich sein [Ein Kommentar]
In der Unterhaltungsindustrie wird regelmäßig von Cancel-Culture gesprochen: Man darf nichts sagen und sich keinen Fehltritt erlauben, ansonsten ist die Karriere vorbei. So heißt es zumindest, doch die Wahrheit sieht anders aus - jedenfalls für ausgewählte Menschen. #cancelculture #hollywood #ezramiller #theflash
Kontroverse um The Flash-Star
Seit Anbeginn der Pandemie sorgte The Flash-Hauptdarsteller Ezra Miller für zahlreiche Negativschlagzeilen. Nachdem im April 2020 ein Video auftauchte (via YouTube), das den Star zeigt, wie er eine Frau würgt und auf den Boden presst, folgten zahlreiche weitere Vorfälle, die von Diebstahl, Körperverletzung, Misshandlung bis zur Gefährdung Minderjähriger reichen (via Vulture).
Während dey für einige der Taten mit einer Geldstrafe davon kam, wurden andere wiederum fallen gelassen. Und damit scheint die Angelegenheit auch geklärt zu sein. Zumindest macht es so den Anschein. The Flash-Regisseur Andy Muschietti hatte den Star seines Films in den siebten Himmel gelobt und beschwört, dass es keinen besseren Flash-Darsteller gäbe als Miller.
Der Hollywood-Star, der Mitte August verkünden lies, dass er sich aufgrund von „komplexer gesundheitlicher Probleme“ in Behandlung geben wolle, feierte gestern in Los Angeles die Premiere des neuen DC-Films. Es soll sein einziger Presseauftritt während der Filmpromotion bleiben. Persönlich stellt sich für mich die Frage, wieso Miller überhaupt über den Roten Teppich stolzieren und an der Veranstaltung teilnehmen musste?
Geld regiert die Welt - und vor allem Hollywood
Millers problematisches Verhalten ist schon lange kein Geheimnis mehr und dennoch wird dey eine Bühne geboten. Nicht nur das, der 30-jährige Star wird sogar von Kolleg*innen zelebriert. Und das, obwohl es rechtliche und Videobeweise für das problematische Verhalten gibt.
Während ein Schauspieler wie Will Smith nach dem Angriff auf Chris Tucker bei den Oscars 2022 noch immer versucht, seine Karriere zurückzubekommen, darf sich Miller bereits Gedanken über eine mögliche Rückkehr als Barry Allen alias The Flash machen. Ein Zustand, der Hollywood mal wieder in seinem schlechtesten Licht zeigt, denn am Ende scheint das Geld über allem zu stehen - vor allem über Menschen.
Obwohl es bei Oscarpreisträger Smith 'nur' einen Vorfall gab, scheinen die Auswirkungen seines Wutausbruchs konsequenter zu sein. Was nicht bedeuten soll, dass er dieselben Privilegien wie Miller erhalten soll, sondern viel mehr, dass letztere Person genau so zur Rechenschaft gezogen und dems Verhalten Konsequenzen nach sich ziehen muss.
Das Problem und die Lösung
Dass The Flash nicht wie der bereits fertiggestellte Batgirl-Film gestrichen wurde, ist absolut verständlich. Miller mag zwar die Hauptfigur darstellen, dey ist jedoch nicht die einzige mitwirkende Person am Film. Es hängen etliche Menschen und Hunderttausende US-Dollar an dem Projekt. Eine nicht Veröffentlichung wäre nicht nur ein finanzielles Desaster, sondern auch für die Zukunft von James Gunns und Peter Safrans DCU. Schließlich setzt der Film das Universum wieder auf Null.
Das Team hinter The Flash hätte sich aber dennoch klar gegen das Verhalten vom Star des Films positionieren können. Indem sie Ezra Miller von sämtlichen Veranstaltungen ausladen und im besten Fall schon vorab ankündigen, dass alle kommenden Abenteuer des schnellsten DC-Superhelden mit einer neuen Person besetzt werden. Grant Gustin, der bereits in der The Flash-Serie die Titelfigur verkörpert, wäre beispielsweise eine passende Alternative gewesen.
Ob Muschietti wirklich weiterhin mit seinem aktuellen Star arbeiten will und wie die neuen DC-Chefs Gunn und Safran wirklich zur Situation stehen, lässt sich derzeit nur vermuten. Während der Promotionphase des Films werden sie alles daran tun, The Flash und den Cast im besten Licht darzustellen.
Anmerkung: Ezra Miller identifiziert sich als non-binär weshalb Millers Pronomen they/them, dey/dem oder xier/xiers sind.