Mahmoud Darwish: Die Stimme Palästinas
Vor 15 Jahren starb Mahmoud Darwish, einer der einflussreichsten zeitgenössischen Dichter*innen. In seinen Werken brachte er die Situation der Palästinenser*innen auf den Punkt. Dafür wird er bis heute gefeiert. #mahmouddarwish #poesie #palästina
„Schreib auf, ich bin Araber“
Mahmoud Darwish wurde am 13. März 1941 in al-Birwa geboren. Der Israel-Palästina-Konflikt sollte schon seine Kindheit prägen. Al-Birwa wurde 1948 von der israelischen Armee besetzt. Seine Familie flüchtete daher erst in den Libanon, später kehrte sie in ihre Heimat zurück – ihr Dorf war in der Zwischenzeit zerstört worden. Nach der Rückkehr hatten sie als Palästinenser*innen einen schwierigen Stand in der Gesellschaft. Darwish selbst schloss sich Anfang der 1970er Jahre der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO, arabisch: منظمة التحرير الفلسطينية) an. 1993 verließ er sie wieder, da er mit der Unterzeichnung des Oslo-Abkommens nicht einverstanden war.
Mit der Veröffentlichung seines ersten Gedichtbands Vögel ohne Flügel begann seine dichterische Karriere – im Alter von 19 Jahren. Im Laufe seines Lebens veröffentlichte er über 30 Gedichtbände, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Darwish selbst lebte viele Jahre im Exil in Moskau, Kairo, Beirut, Paris, Tunis und Amman. Später kehrte er nach Palästina zurück und lebte in Ramallah. Für sein vielfältiges literarisches Schaffen erhielt er Auszeichnungen, darunter den sowjetischen Lenin-Friedenspreis oder Lotus-Preis für Literatur. Zu seinen auch im Westen bekanntesten Gedichten zählt Identitätskarte mit dem berühmten Zitat „Schreib auf, ich bin Araber!“ (1964). Ein weiteres bekanntes Werk ist Rita und das Gewehr. In diesem Gedicht beschreibt Darwish eine Liebesbeziehung zu einer jüdischen Frau. Es beginnt mit den folgenden Zeilen:
„Zwischen mir und Rita ist ein Gewehr / wer Rita kennt, verneigt sich / und betet / zu einer Gottheit in den honigfarbenen Augen“
Umgang mit Darwishs Erbe
Wie The Guardian berichtete, wurde Darwish für sein literarisches Schaffen mehrfach inhaftiert oder stand unter Hausarrest. Der Umgang mit Darwishs dichterischem Erbe sorgt noch heute für Diskussionen: Viele feiern ihn dafür, dass er die Situation der Palästinenser*innen unter der Regierung des zionistischen Staats zur Sprache bringt und so der palästinensischen Identität Ausdruck verleiht. Genau das betrachten etwa rechte Israelis mit Skepsis: Ein Beispiel dafür ist die Kontroverse um Äußerungen des ehemaligen israelischen Verteidigungsministers Avigdor Lieberman im Jahr 2016. Nachdem in einer Sendung des israelischen Armeeradios Gedichte von Darwish besprochen wurden, verglich der Politiker den Poeten mit Adolf Hitler beziehungsweise Darwishs Werk mit Mein Kampf, wie Haaretz berichtete. Dafür kassierte Lieberman scharfe Kritik.
Darwish starb am 9. August 2008 in Houston infolge einer Herz-OP und wurde in Ramallah beigesetzt. Am Ort seiner Ruhestätte erinnert auch das Darwish Museum an sein Vermächtnis. Ferner leben seine Zeilen in Liedern und Kompositionen von Marcel Khalifé, Yasmine Hamdan oder anderen Musiker*innen fort.
Neugierig geworden? Auf Lyrikline findest du einige Gedichte von Mahmoud Darwish in Übersetzung.