Lektürezeit: Interpretation von Mourid Barghouti
Mourid Barghouti (auch: al-Barghouti) wurde 1944 in Deir Ghassanah (Westjordanland) geboren. Er war ein preisgekrönter palästinensischer Dichter und Autor. Barghouti studierte Englisch in Kairo, als 1967 der Sechstagekrieg ausbrach, er konnte nicht in seine Heimat zurückkehren. Jahrzehnte seines Lebens verbrachte er im Exil. Seine Autobiografie Ich sah Ramallah (arab. Raʾaytu Rām Allāh) erschien 1997 auf Arabisch und wurde später auch ins Englische übersetzt. Der bekannte Literaturwissenschaftler Edward Said (Orientalismus) bezeichnete die Memoiren als einen „der besten existenziellen Berichte über die Vertreibung der Palästinenser“. Laut der arabischen Seite Arageek war es Barghouti ein wichtiges Anliegen, seine Position als Intellektueller zu wahren „ohne sich in die Politik und offizielle Institutionen einzumischen“, was sein Werk jedoch nicht unpolitisch macht. Gegenüber The Guardian erklärte Barghouti seine Rolle wie folgt:
„Man hat nicht das Recht, dem Leser zu sagen, was er empfinden soll, zu sagen: ‚Liebe mich, verstehe meine Sache, hasse meine Feinde.‘ Zeigen Sie ihm eine Szene und überlassen Sie ihm die Antwort; das ist demokratisch.“
Barghouti war mit der ägyptischen Schriftstellerin Radwa Ashour verheiratet, die viele seiner Gedichte ins Englische übersetzte. Ihr Sohn Tamim al-Barghouti ist ebenfalls ein bekannter Poet. Mourid Barghouti starb Anfang 2021 im Alter von 76 Jahren in Jordanien.
Foto von Mourid Barghouti via Wikimedia Commons, Aufnahme von Dia Saleh. Verbreitet unter dieser Lizenz.