Der Mensch hinter der Eisschicht
Mr. Freeze begleitet Batman seit mehr als 60 Jahren als ewiger Widersacher. Über die Jahrzehnte wurde aus dem schablonenhaften Gegenspieler ein Antagonist mit menschlichen Facetten.
Mr. Freeze gehört zu den uralten Widersachern des Batman. Bereits 1959, im DC Comic Batman #121, tauchte die Figur erstmals auf – auf Basis der Ideen von Sheldon Moldoff, dem Miterfinder von Poison Ivy, und des Batman-Schöpfers Bob Kane. Damals, in der Geschichte The Ice Crimes of Mr. Zero hieß der Bösewicht noch Mr. Zero. Sein Auftreten eher schablonenhaft: Ein fähiger Wissenschaftler, der sich ganz dem eisigen Element verschrieben hat. Sein Leben in einem Schutzanzug "verdankte" er einem Unfall mit kryogenen Chemikalien, die sein Antlitz nachhaltig veränderten. Der tragische Grund: seine kranke Frau Nora zu retten.
Zwei Serien hatten wesentlichen Einfluss auf das heutige Bild der Figur: Batman, die 60er-TV-Serie mit Adam West und Burt Wart, und The Animated Series von 1992. Unter dem heute bekannten Namen tauchte die Figur erstmals im TV-Hit der 60er auf, in der Freeze einen wiederkehrenden Bösewicht gab, so an Statur gewann und zu einem zentralen Widersacher der Fledermaus wurde. The Animated Series von 1992 fügte dank Paul Dini, Bruce Timm und Mike Mignola (dem Schöpfer von Hellboy), die tragische Backstory um seine Frau Nora hinzu, erstmals zu sehen in der Episode Heart of Ice. Diese Änderungen waren so einflussreich, dass sie auf die DC Comics rückwirkten und Kanon wurden – beginnend beim neuen Namen Dr. Victor Fries. Mr. Freeze ist damit ein Produkt einer jahrzehntelangen Evolution vom schablonenhaften Bösewicht zum facettenreichen Gegenpart der heroischen Fledermaus.
Von George Sanders bis Arnold Schwarzenegger
Ein populäres cineastisches Abbild des Mr. Freeze lieferte Arnold Schwarzenegger in Batman & Robin (1997), doch schon zuvor machten namhafte Darsteller erinnerungswürdige Auftritte als Freeze. Keine Geringeren als Oscargewinner George Sanders (Rebecca, All about Eve), der grenzverschiebende Regisseur Otto Preminger (Anatomy of a Murder) und Schauspielikone Eli Wallach (The Magnificient Seven, The Good, The Bad and the Ugly) verkörperten Freeze abwechselnd in der legendären 60er-Serie. Für die Rolle des 1997er-Films waren ursprünglich Anthony Hopkins und Ed Harris vorgesehen – bis man das Drehbuch an Arnold Schwarzenegger anpasste.
Wo der Dark Knight auftaucht, ist auch Mr. Freeze nicht weit. Ob in Serien wie The New Batman Adventures (1997-1999) oder Gotham (2014-2019) über Videospiele wie Arkham City (2011) und The Enemy Within (2017) bis zur Joel Schumacher-Verfilmung von 1997. Freeze hat die heroische Fledermaus auf jedes denkbare Medium begleitet. Manchmal gar taucht er alleine auf – wie im kurzen humoristischen Cameo in Space Jam 2 (2021). Eine faszinierende popkulturelle Anerkennung.
Aspekte der Menschlichkeit
Und doch konnte Mr. Freeze nie ganz in die oberste Reihe der Batman-Widersacher des Kalibers Joker, Two-Face, Riddler oder Pinguin vorstoßen. In den etwa ein Dutzend Batman-Realverfilmungen tauchte er lediglich in der 1997er-Version auf, auf den Listen der größten Widersacher des Dark Knight ist er selten in den Top 10. Prominent sind allerdings seine Auftritte in den Comics. Zum Beispiel in Werken wie Snow der Legend of the Dark Knigt Storyarc, in Gotham Central und Cold Days. In der Alternate-Timeline von White Knight wird Freeze gar ein vorübergehender Verbündeter des Batman. Zu seinen abgedrehtesten Repräsentationen gehört seine Darstellung in Batman/Teenage Mutant Ninja Turtles, wo er zu einen martialischen Polarbär transformiert wird.
Der mehrfach thematisierte Kampf um seine kranke Frau Nora macht Mr. Freeze zu einem der menschlichsten Batman-Gegenspieler. Dabei war vieles, was wir heute über Mr. Freeze kennen, kein Element der Frühversion Mr. Zero. Die Figur des Freeze ist ein bester Beweis dafür, wie Comicgeschichte und Kollaboration eine Figur verändern können: Aus einem schablonenhaften Antagonisten der frühen Tage ist ein facettenreicher Widersacher geworden, der menschliche Züge in sich trägt. Und so ein interessanter Bösewicht.