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Manche möchten die Welt brennen sehen

Manche möchten die Welt brennen sehen

Joker ist ein Meister darin, Batman in Rage zu bringen. Seit 1940 gilt er als Erzfeind der heroischen Fledermaus – und ist dabei viel mehr als ein Antagonist. #joker #batman #dccomic

Wer hätte noch in den 90er-Jahren gedacht, dass der Antagonist aus den DC Comics zu einem Oscargaranten wird? Doch die zelebrierten Darstellungen von Heath Ledger und Joaquin Phoenix mit ihren Academy Awards für den Besten Nebendarsteller (Ledger, posthum 2008) sowie den Besten Hauptdarsteller (Phoenix, 2019) unterstreichen, dass die Rolle des Joker für ambitionierte Charakterdarsteller hochgradig attraktiv ist. Tatsächlich soll Heath Ledger die Rolle eines Batman abgelehnt, aber leidenschaftlich für die Darstellung des zynischen Kontrahenten eingetreten sein. Schließlich ist dieser mehr, als ein reiner Antagonist: Er ist auch Spiegel- und Zerrbild des Helden und Gothams.

Kein Batman ohne Joker

Der Legende nach soll die Ursprungsidee für den Charakter eng mit einem deutschen Schauspieler verbunden sein. Die Batman-Schöpfer Bill Finger und Bob Kane suchten nach einem Widersacher für ihre Comic-Fledermaus. Über die genaue Chronologie der Ereignisse gab es später einen Disput, doch soll ihnen der Zeichner Jerry Robinson eine Joker-Karte mit einem Antlitz ähnlich des Schauspielers Conrad Veidt in Paul Lenis The Man Who Laughs (1928) geliefert haben. Veidt, ein entschiedener Gegner der Nazis, trat später in ikonischen Filmen wie Casablanca (1942) auf. Und der so geschaffene Antagonist wurde mit seinem Debüt in Batman #1 aus dem Jahr 1940 noch vor Pinguin (1941), Two-Face (1942) und Riddler (1948) zum unangefochtenen Erzfeind des Dark Knight.

The Dark Knight Returns (1986), The Killing Joke (1988), Arkham Asylum (1989), Hush (2002-2003), The Man Who Laughs (2005), White Knight (2017-2018) – legendäre Comics und Graphic Novels aus dem Gotham-Kosmos sind dem clownesken Widersacher gewidmet. Ein Who is Who wie Alan Moore, Frank Miller und Brian Azzarello erzählten erinnerungswürdige Stories aus dem Leben des Psychopathen. Millers Dark Knight Returns erkundete die brutalen Aspekte des ewigen Widersachers, während Moores Killing Joke-Facetten der Ursprungsgeschichte beleuchtete. In der Alternativerzählung The White Knight wird der Erzfeind gar von seinem Wahnsinn geheilt und steht einem zunehmend unkontrollierten Dark Knight als der titelgebende White Knight gegenüber.

Eine Rolle für ambitionierte Charakterdarsteller

Seine Facetten des Wahnsinns haben nicht von ungefähr einige der besten schauspielerischen Leistungen der letzten Dekaden aus seinen Darstellern herausgekitzelt. Bevor Jack Nicholson 1989 in Tim Burtons Batman Michael Keaton gegenübertrat, fokussierte sich Cesar Romero auf die exzentrischen Aspekte des Charakters in der Batman-Serie der 60er-Jahre. Beide fraglos Pioniere, war es Jack Nicholson, der die Rolle für ambitionierte Charakterdarsteller überhaupt erst attraktiv machte.

Doch es war Heath Ledger, der 2008 posthum mit einem Oscar für seine Darstellung gewürdigt wurde, die seitdem als Benchmark gilt. Als perfekter Gegenspieler in Christopher Nolans The Dark Knight verkörperte er die Schichten des Wahnsinns, hinter denen sich mehr verbirgt als ein bloßer Antagonismus. Jared Leto hatte 2016 in Suicide Squad die Aufgabe, der Rolle nach der brillanten Performance von Ledger eine eigene Note zu verleihen – mit überschaubarem Erfolg.

Einen semi-realistischen Ansatz verfolgte der Film Joker, in dem es vor allem um die Frage geht: Ist der Antagonist bloß wahnsinnig oder zugleich das Spiegelbild einer wahnsinnigen Welt? In der Manier von Martin Scorseses Taxi Driver (1976) gleitet der Charakter schrittweise in den blutigen Wahn eines Psychopathen ab. Dabei scheut der Film nicht davor, die geheimnisvolle Ursprungsgeschichte des Charakters zu beleuchten – mit einer außergewöhnlichen Performance, die Joaquin Phoenix den Oscar garantierte.

Er will die Welt brennen sehen

Schon nach dem ersten Auftritt im gezeichneten Batman-Debüt wollte Bill Finger den neu etablierten Charakter sterben lassen. Schließlich hätte die Wiederkehr von Antagonisten eine Schwäche des Helden angedeutet, so die Überlegung. Doch eine Intervention des Editors Frederick Whitney Ellsworth verhinderte das fragwürdige Ereignis. Denn die Schwächen des Dark Knight gehören heute essentiell zu seinem schattenreichen Charakter. Auch dank seines finster lachenden Widersachers.

Schließlich verkörpert Joker den perfekten Antagonismus: Batman steht für Law and Order, er für Chaos. Manche möchten eben die Welt brennen sehen, wie Christopher Nolans The Dark Knight feststellt. Auch ist der Antagonist darin geübt, den moralischen Code des Fledermaus-Helden zu attackieren. Wie ein Spiegel hebt er Batmans große Schwächen hervor, bringt ihn dazu, Unmoralisches zu tun. Der clowneske Widersacher verleitet den Helden gar zur Erkenntnis: Das Böse ist nur zu besiegen, wenn er seine dunkle Seite anerkennt und zum Dark Knight wird, zum Rächer im Schatten. Der Joker ist Batmans perfekter Gegenspieler. Seit 1940. Ein Widersacher mit makaberen Witzen, bei dem uns das Lachen im Hals stecken bleibt.

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