Freudscher Penisneid - das steckt dahinter
Sigmund Freud - der Vater der Psychoanalyse
Der 1856 geborene Psychologe war Begründer mehrerer noch heute relevanten Ansätze. Er setzte sich zu Beginn seiner Arbeit mit der vermeintlichen Krankheit Hysterie auseinander und versuchte, die Betroffenen mit Hypnose zu heilen. Von der Hypnose wich er jedoch im Laufe seiner Karriere immer weiter ab und wandte stattdessen die Methode der "freien Assoziation" an. Seine Überzeugung war, dass man nur an das Unterbewusste gelangen könne, wenn man den Gedanken freien Lauf ließe. Die Theorie des Penisneids findet sich in seinem Werk "Das Ich und das Es".
Das Ich, das Es, und das Über-Ich
Freud untergliedert die menschliche Psyche in dieser Schrift in drei Teile. Dabei umfasst fasst das "Es" alle unterbewussten Triebe und Bedürfnisse - das Baby will gefüttert und berührt werden, handelt also nach dem Lustprinzip. Das Ich dagegen richtet seine Handlungen nach dem Realitätsprinzip aus. Hier sind das bewusste Denken und das Selbstbild zentral. Das Über-Ich versammelt die sozialen Werte und Normen unter sich, die von außen an einen Menschen herangetragen werden.
Die fünf Phasen, Kastrationsangst und Penisneid
Freud gliedert die psychosexuelle Entwicklung in fünf Phasen:
- orale Phase
- anale Phase
- phallische Phase
- Latenzphase
- genitale Phase
Wichtig zu verstehen ist hierbei, dass diese Sexualität eines Kindes nicht gleichzusetzen ist mit der einer erwachsenen Person. Eher geht es darum, über welche Bereiche des Körpers das Kind seine Umwelt wahrnimmt. Der Penisneid kommt Freud zufolge in der phallischen Phase auf. Das Kind ist hierbei zwischen vier und sechs Jahre alt und die aktive erogene Zone sind die Genitalien, derer sich Kinder in dieser Phase bewusst werden. Laut Freud werden vor allem aber auch die Genitalien des „anderen“ Geschlechts interessant. Jungen bemerken, dass Mädchen keinen Penis haben und entwickeln eine Kastrationsangst, also eine Angst davor, ihren Penis wieder zu verlieren. Mädchen entwickeln dagegen einen Penisneid, ein Gefühl der Benachteiligung. Dieser Penisneid sei essenziell für die weitere Entwicklung der weiblichen Sexualität. Zum einen zeige er sich darin, dass Frauen Sex mit Männern haben, um einen Penis in sich aufzunehmen, zum anderen im Kinderwunsch als Penisersatz.
Kritik an Freuds Theorie
Freuds Theorie stieß auf viel Kritik. Eine der wichtigsten Kritiker*innen war Karen Horney. Sie setzte Freuds Penisneid einen Gebärmutterneid entgegen. Dieser sei in einer männlich dominierten Gesellschaft leichter zu verdrängen als der Penisneid. Grundsätzlich ist dies eine sehr binäre Sicht auf das Genderspektrum und passt in unsere Gesellschaft, die von einem Gender Shift bestimmt wird, nicht mehr wirklich rein.