Megatrend Gender-Shift - das steckt dahinter
Megatrends - eine kurze Definition
Megatrends sind ein Modell aus der Wirtschaftsforschung. Es sind komplexe Faktoren, die Gesellschaften langfristig formen und nachhaltig beeinflussen. Das Zukunftsinstitut identifiziert insgesamt zwölf Megatrends:
- Gesundheit
- Individualisierung
- Globalisierung
- Mobilität
- Konnektivität
- Neoökologie
- New Work
- Sicherheit
- Silver Society
- Urbanisierung
- Wissenskultur
- Gender Shift
Mit dem letzten Punkt, dem Gender Shift, setzen wir uns in diesem Artikel auseinander.
Der Megatrend Gender Shift
Ungendering
Unsere Gesellschaft erfährt ein "Ungendering": Rollenbilder, die sich an Geschlechtsstereotypen orientieren, verlieren an Bedeutung. Dadurch wird Macht in unserer Gesellschaft langfristig nicht mehr anhand des Geschlechts verteilt.
Mehr Diversität
Weiterhin findet im Vergleich zu früher mehr Diversität statt. Dahinter stecken (zumindest im Fall der westlichen Gesellschaft) drei verschiedene Antriebe:
- die Individualisierung
- die Diversifizierung
- die Antidiskriminierung
Individualisierung
In Deutschland sinkt die Geburtenrate. Familien werden kleiner. Institutionen wie die Kirche, die die Gesellschaft vor 60 Jahren noch deutlich stärker beeinflusst haben als sie es heute tun, verlieren an Bedeutungsmacht. Daraus folgt eine stärkere Besinnung auf sich selbst.
Diversifizierung
Mit der Diversifizierung ist ein Wandel in der Migration gemeint. Statt wie zum Beispiel bei der sogenannten "Gastarbeitermigration", bei der große Gruppen wie türkische Gastarbeiter und ihre Familien zwischen 1961 und 1973 migrierten, sind heutige Migrationsströme kleiner und kurzlebiger. Sie sind weniger organisiert. Das Problem, das sich ergibt: Das System, das Migrant*innen auffangen soll, ist immer noch auf veraltete Migrationsmuster ausgerichtet. Und das, obwohl durch Unterschiede im Einwanderungsstatus, eingeschränkte Rechte, Alter, Gender, Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt, räumliche Verteilung und schließlich die Resonanz aus der Bevölkerung des Ziellandes (in Form von Diskriminierung oder Willkommenskultur) eine Superdiversität entsteht.
Der Begriff der Superdiversität soll die Überschneidung von diesen oben genannten Unterschieden in der Migrationserfahrung unterstreichen.
Antidiskriminierung
Die wachsenden Diskurse zum Thema Antidiskriminierung haben dazu geführt, dass Wertvorstellungen nicht mehr zwingend abhängig von der Mehrheitsgesellschaft sind.
Gendersensibilität
Darunter versteht man die Berücksichtigung der Lebensrelaitäten der verschiedenen Geschlechter. Ziel ist ein gendergerechtes Handeln. Ein Beispiel ist die medizinische Forschung, deren Erkenntnisse in vielen Fällen auf Untersuchungen an cis-männlichen Körpern beruht.
Die Zukunft ist pluralistisch
Das Zukunftsinstitut sieht einen deutlichen Trend hin zum Pluralismus. Gemeint ist ein Zusammenleben als Gesellschaft, bei dem die Grundrechte respektiert und Diskriminierung jeglicher Art untersagt wird. So pluralistisch wie die Zukunft ist auch der Begriff des Feminismus, weshalb sich der Plural, Feminismen, mehr durchsetzt. Denn die Ansätze für die Gesellschafts- und Geschlechterkritik sind vielfältig - sie alle kritisieren aber die geschlechtsgebundene Machtverteilung, Ungleichheiten und Gewalt und stellen als Forderungen mehr individuelle Selbstbestimmung, Gleichheit und Mitspracherecht sowohl im öffentlichen, als auch im privaten Umfeld.