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Richter der Apokalypse

Richter der Apokalypse

Dredd gehört zu den Exoten unter den Comicfiguren. Nicht von DC und Marvel, präsentiert die britische Comicschöpfung einen Blick in eine dystopische Zukunft fernab demokratischer Gewaltenteilung. #judgedredd #dystopie #karlurban

In der futuristischen Mega City One, einer städtischen Megaregion an der Ostküste dessen, was wir als USA und Kanada kennen, sorgen martialische Richter für Recht und Ordnung. Sie repräsentieren Judikative und Exekutive zugleich, sind Richter und Vollstrecker. So auch Judge Dredd. Dredd, ein Klon des ersten Richters, verdankt wie auch sein Bruder dem Gentechniker Morton Judd seine Existenz. Er soll auf den Straßen für Ehrfurcht sorgen, gehört zu den besten seiner Art. Ein Normalsterblicher sieht ihn niemals ohne Helm, zu seinen festen Begleitern gehören seine Pistole Lawgiver und sein futuristisches Motorrad Lawmaster. Er ist so mit einer "überzeugenden" exekutiven Macht ausgestattet, um das Gesetz der dystopisch-apokalyptischen Welt durchzusetzen.

Erzählung in Echtzeit

Judge Dredd ist einer der bekanntesten Charaktere, der außerhalb der großen Comicverlage DC und Marvel zu Popularität aufgestiegen ist. Dredd feierte 1977 in der Comicanthologie 2000 AD Premiere, die britischen Ursprungs ist. Seine Präsenz verdankt er der Ideenwelt des britischen Autors John Wagner und der Feder des spanischen Künstlers Carlos Ezquerra – inspiriert von Clint Eastwoods Dirty Harry. Zwar brachte das Magazin 2000 AD mit Rogue Trooper, Sláine und Nemesis the Warlock weitere Comicfiguren hervor, Dredd ist jedoch mit Abstand die bekannteste Schöpfung.

Dabei wirkten an den Publikationen des Magazins auch namhafte Comicgranden wie Alan Moore, Dave Gibbons und Grant Morrison als Gastautoren mit. Besonderheit von Judge Dredd und 2000 AD: Die Zeit im Comic vergeht in "Echtzeit", d.h. jedes Veröffentlichungsjahr der Comicreihe repräsentiert eines unserer Jahre. So begann die Erzählung von Dredd in 2099 und ist nun, im Jahr 2023, im Jahr 2145 angekommen. Dredd selbst altert mit, ist mittlerweile in seinen 70ern. Fans blicken so auf fast 50 Comicjahre mit progressiv fortschreitenden Storylines zurück, die von zwei prominenten Filmumsetzungen ergänzt wurden.

Retrofuturismus und stilisierter Brutalismus

In den Medien ist Judge Dredd keinesfalls unterrepräsentiert - von den Comics über Romanumsetzungen bis zu Videospielen und Tabletop Role-playing Games (TTRPGs). Hervor stechen die zwei Verfilmungen: Judge Dredd mit Sylvester Stallone von 1995 und die fast 20 Jahre spätere Neuauflage Dredd (2012) mit Karl Urban. Dabei könnten die Filme kaum unterschiedlicher sein. Judge Dredd von 1995 orientiert sich am zuweilen satirischen Ton der Comicvorlage, zugleich taucht der Film in die politischen Tiefen der Mega-Citys ein. Vieles der Ästhetik ist in seiner Zeit verwurzelt, in dem teils wuchtigen Retrofuturismus der 90er-Jahre. Verfilmt wurde das Werk von Danny Cannon, der sich später vor allem als Regisseur in Serien wie Gotham (2014-2019) und Training Day (2017) einen Namen machte.

Trotz seiner offensichtlichen Schwächen erspielte sich das 90er-Werk eine passionierte Anhängerschaft. Dazu kam ein durchaus ansehnliches Cast: Neben Stallone waren darin mit Max von Sydow gleich zwei Oscarpreisträger vertreten, ergänzt durch Jürgen Prochnow und Rob Schneider. Die teils satirisch angehauchten Töne wurden in Dredd von 2012 drastisch heruntergeschraubt. In den Fokus der Verfilmung von Pete Travis rückte eine ernsthaftere Darstellung einer nuklearen Verwüstung, die sich inhaltich weiter vom Comic löste. Stichwort: Weniger Satire, mehr Dystopie. Ästhetisch setzte man auf entsättigte Grautöne mit hochstilisierten Slow-Motion-Shots.

Unikat im Comickosmos

Judge Dredd ist in vielen Aspekten ein ungewöhnlicher Comicheld. Anders als die Heroen von DC und Marvel erlaubt sich die Comicreihe einen satirischen Blick auf eine dystopische Zukunft mit einem Protagonisten, der Eigenschaften von Held und Antiheld in sich trägt. Der mit unüblichen Methoden für Gerechtigkeit kämpft. Bekannt ist die Comicreihe für ihre mutigen und namhaften Crossover, so traf Dredd auf die Predatoren und die Xenomorphen in Predavor vs. Dredd vs. Aliens (2017), ein Vis-à-vis mit Batman gibt es in Judgement on Gotham (1991). Dazu kommt ein ungewöhnliches Crossover für Mangafans: Im Autum Special 1995 des japanischen Kultmagazins Shōnen Jump streifte ein Charakter namens Dredd Takeru durch das Tokyo des Jahres 2099.

Trotz des Ursprungs im britischen Magazin 2000 AD - und einst ohne die kulturelle Power von Marvel und DC im Rücken - konnte sich Dredd eine signifikante Reputation in der Comicwelt erarbeiten. Ob der britische Ursprung, der satirische Ton oder die unkonventionellen Crossover: Die Comicschöpfung Judge Dredd geht einen eigenen Weg. Dredd liefert mit seinen Comics und Filmen so alternative Kost für alle, die das faszinierende Comicuniversum außerhalb von DC und Marvel erkunden möchten.

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