Pizza, Nunchaku und gepanzerte Superhelden
Geht es exzentrischer als mutierte Schildkröten mit einem Faible für Pizza? Die unvergesslichen Unikate von Kevin Eastman und Peter Laird gehören auch wegen ihrer Einzigartigkeit zu den Publikumslieblingen unter den Comic- und Serienhelden. #turtles #tmnt #turtlesmayhem
Leonardo, Donatello, Raphael und Michelangelo – nicht nur Aficionados der Renaissancemalerei erfüllen diese Namen mit einer Welle der Nostalgie. Diesmal geht es um die Teenage Mutant Hero Turtles, kurz TMNT. Die Namensvetter der bekannten Malermeister kämpften sich seit den 80ern als mutierte Schildkröten durch zahlreiche Comics, TV-Serien, Filme und Videospiele. An ihrer Seite: Verbündete wie Meister Splinter und die Fernsehreporterin bzw. Wissenschaftlerin April O'Neil. Auch fast 40 Jahre nach ihrer Schöpfung sind die vier gepanzerten Superhelden mit Muatation omnipräsent. Dabei begann alles mit einer Parodie.
Von der Parodie zum Comicerfolg
Inspiriert waren die TMNT laut Schöpfern nicht nur von den Werken von Comicmeistern wie Jack Kirby und Frank Miller, sondern auch von Daredevil. Vielmehr noch: Die Ninja Turtles sollten ursprünglich eine Parodie auf den Marvel-Helden darstellen. Statt des japanischen Ninja-Clans "The Hand" taucht die "Foot-Gang" auf, Daredevils Meister Stick wird zur Ratte Splinter umfunktioniert. Doch die Teenage Mutant Hero Turtles sind trotz der prominenten Vorlage zu einem einzigartigen Phänomen herangewachsen Das liegt auch an ihren exzentrischen Eigenarten. Dazu gehört ihre tiefe Vorliebe für Pizza. Hervor sticht zudem ihre individualisierte Farbgebung - Leonardo in Blau, Donatello in Violett, Raphael in Rot, Michelangelo in Orange
Michelangelo war der Ursprung. Er formte den Prototyp, aus dem Kevin Eastman und Peter Laird die restlichen Ninja Turtles erschufen. Aus diese Idee entwickelten sich die Helden, die wahlweise auf japanische Kampf-Accessoires wie das Katana, den Bō, das Sai sowie das Nunchaku zurückgreifen. Noch vor der berühmten Serie gab es 1984 erste Comics der Mirage Studios zu lesen. Eastman und Laird erschufen den Verlag, um die TMNT eigenständig herauszugeben. Und das in einer mutigen Underground-Manier: Finanziert unter anderem durch private Leihen, wurden die ersten Comics in Schwarz-Weiß und mit minimalem Marketing veröffentlicht. Nur drei Jahre später folgte die berühmte Zeichentrickserie.
TMNT als animierte Kindheitshelden
Von der Serie Teenage Mutant Hero Turtles (Teenage Mutant Ninja Turtles im Original) wurden 193 Folgen in 10 Staffeln produziert. Sie lief knapp zehn Jahre zwischen 1987 und 1996 – und hat nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Das beginnt bereits beim berühmten Titelsong von Frank Zander, der zwischenzeitlich auch Asterix seine Stimme verlieh. Zu den faszinierenden Anekdoten gehört der Ursprung des Originals: Dort wirkte Chuck Lorre als Komponist mit, der spätere Showrunner von Two and a Half Men, Big Bang Theory und The Kominsky Method. Comic und Serie legten den Grundstein für ein Multimedia-Franchise, dessen Impact noch nach 40 Jahren zu spüren ist.
Zu den prominenten Nachfolgewerken gehört der gegenwärtig gefeierte Film Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutant Mayhem (2023). Er setzt sich von eher schlechten bis mittelprächtigen Vorwerken wie dem unglücklich animierten Teenage Mutant Ninja Turtles (2014) von Michael Bay und Co. ab. Insgesamt sind bisher sieben Filme erschienen, dazu gesellen sich fünf Animationsserien – die neueste soll ein Spin-Off zu Mutant Mayhem werden. Damit kein Ende, denn es folgten Videospiele vom klassischen Nintendo bis zu gegenwärtigen Konsolen, ergänzt durch gigantische Merchandise-Sales. Diese sollen bereits in den 80ern hunderte Millionen Dollar betragen haben und weisen selbst Daredevil in seine Grenzen. Negativer Nebeneffekt: Schildkröten wurden teils auch deswegen zu populären Haustieren – mit nicht immer artgerechter Haltung.
Das Phänomen Ninja Turtles
Dass die Schöpfung der Ninja Turtles ein eher unkonventioneller Akt war, zeigt die Entstehung des Shredder: Der Legende nach soll er bei dem Anblick einer Käsereibe entstanden sein. Sie wurde zum Vorbild für Shredders scharfe Klauen. Aus unkonventionellen Ideen zum Zweck der Parodie wurden unvergessliche Unikate. Unikate, die selbst wieder parodiert wurden – ob in Comics wie Boris the Bear oder Adolescent Radioactive Black Belt Hamsters. So stießen die Comics über die grüne Aussenseiter einen ungewöhnlichen Kreislauf an. Die TMNT lösten in den 80ern zugleich einen Schwarz-Weiß-Boom aus, als Zeichner wieder zum minimalistischen Retro-Stil griffen. Obwohl die Teenage Mutant Hero Turtles als Parodie des Daredevil begannen, haben sie dessen Popularitätssphären schon längst erreicht - und vielleicht überboten.