Mit der Macht der zehn Ringe
Vier Jahre bevor Iron Man 1968 überhaupt seinen ersten eigenständigen Comic mit Iron Man #1 erhielt, wurde Mandarin in Tales of the Suspense #50 (1964) etabliert. Wer sein Wissen über den Charakter vor allem aus dem Marvel Cinematic Universe speist, wird sich über folgenden Fakt wundern: Mandarin ist der absolute Erzfeind von Iron Man. Bereits im Marvel Comic Tales of the Suspense aus 1964 liefern sich beide ein erbittertes Duell, das die Grundlage für ihre jahrzehntelange Erzfeindschaft legt. Doch zuvor, auf den ersten sechs Seiten jener einflussreichen Comicausgabe, wird die Backstory des Bösewichts detailreich aufbereitet.
Der Erzfeind von Iron Man
Der Sohn einer chinesischen Familie erlebt eine tragische Kindheit: Sein Vater wurde von einer religiösen Statue erschlagen, seine Mutter starb in Folge eines gebrochenen Herzens. Aufgezogen wurde der spätere Widersacher von Iron Man stattdessen von seiner verbitterten Tante, die sich wegen seiner Existenz um ihre Erbschaft betrogen fühlte. Seine Geburt galt vielen als böses Omen und die hasserfüllte Erziehung seiner Tante tat für seine Entwicklung als Bösewicht ihr übriges. Beschrieben als Abkomme von Dschingis Khan, wurde der antagonistische Wunsch nach Weltherrschaft zu seinem Antrieb. Auf seiner späteren Pilgerschaft in das geheime Valley of Spirits, das Tal der Geister, entdeckt er die Überreste eines Raumschiffs, dessen Antrieb aus der Energie von zehn Ringen gespeist wird. Das Raumschiff zu seinem Schloss umgebaut, entwickelte sich Mandarin dank der zehn Ringe zu einem unaufhaltsamen Erzschurken.
Mandarin im Film: Ben Kingsley, Tony Leung und Co.
Der fiktive Superbösewicht Fu Manchu fungierte als Vorlage für den Marvel-Antagonisten von Stan Lee und Don Heck. Es sind jedoch seine zehn Ringe, die ihn zu einem einzigartigen Bösewicht machen. Sie statten ihn mit einem facettenreichen Repertoire aus Superkräften aus: Von den Mächten von Eis und Feuer über Licht und Dunkelheit bis zur Manipulation von Materie und Geist. Schon ohne seine Ringe trumpft der mächtige Gegenspieler durch seine Ausbildung in verschiedensten Kampfkünsten und durch sein wissenschaftliches Genie auf. Mit diesen Kräften gelingt es ihm, der Rüstung von Iron Man erheblichen Schaden zuzufügen.
In den Filmen des MCU jedoch verhält es sich etwas anders. Erst in Iron Man 3 (2013) erhält der Charakter eine vermeintlich größere Rolle, verkörpert durch den oscarprämierten Darsteller Ben Kingsley (Schindlers Liste, Gandhi, Hugo). Später auch durch das asiatische Schauspielgenie Tony Leung (Chungking Express, Hero, The Grandmaster) dargestellt, war es Kingsleys durchaus sehenswertes Porträt, das für Verblüffung und Faszination sorgte.
Fazit: MCU-Antagonist zwischen Schein und Sein
In Iron Man 3 wird Mandarin als ein Alter Ego des Schauspielers Trevor Slattery präsentiert, gespielt von Kingsley. Der aus den Comic bekannte legendäre Widersacher von Iron Man fungiert hier als Ablenkungsmanöver. Denn Antagonist Aldrich Killian (Guy Pearce) sucht nach einer Distraktion von seinen Missetaten. Was für manch eingefleischte Fans der Marvel Comics wie eine Degradierung des Mandarin wirkte, galt nicht wenigen Anhängern des Films als Geniestreich. Fraglos war es eine der kontroversesten Entscheidungen im Marvel Cinematic Universe.
Dann meldet sich Tony Leungs Charakter Xu Wenwu 2021 in Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings zu Wort: Aus seiner Perspektive handelt es sich bei Mandarin um einen Boogeyman, um eine fragwürdige Geistergeschichte, basierend auf ihm selbst und seiner Bande der zehn Ringe. In einem Spiel aus wahrer und falscher Identität werden Marvel-Fans über Filme hinweg über die eigentliche Personifizierung des ikonischen Antagonisten von Iron Man im Dunkeln gehalten. Nicht ganz unkontrovers, hat die Figur im MCU so eine ganz eigene Geschichte aus Schein und Sein vorzuweisen.