Mit der Krähe auf Rachetour
Die kunstvollen Panels von The Crow erzählen von der Rache eines Untoten. Spätestens mit dem gleichnamigen Film von 1993 hat das Werk von James O'Barr den Sprung vom Indiephänomen zur Popkultur vollendet. #thecrow #ericdraven #bradonlee
The Crows Erzählwelt ist dem US-amerikanischen Comickünstler James O´Barr zu verdanken. Dabei hat der Ursprung der finsteren Comicfigur eine Verbindung nach Deutschland: Denn die frühen Ideen zu The Crow entstanden in Berlin, wo O'Barr in den 80er-Jahren stationiert war und den tragischen Verlust seiner Verlobten mit seiner Comicschöpfung verarbeitete. Bereits 1981 werkelte er an den Grundzügen von The Crow, das offizielle Debüt erfolgte im Jahr 1989 in der gleichnamigen Comic-Miniserie von Caliber Comics. Dabei ist das existenzielle Thema der menschlichen Endlichkeit auf verschiedenen Ebenen mit dem Comic- und Filmwerk verbunden.
Kunst als Selbsttherapie
Der Comic entstand als eine kunstvolle Selbsttherapie für den Schöpfer, um seinen persönlichen Verlust zu verarbeiten. Spuren der Tragik reichen von der Schöpfungsidee über die Produktionshintergründe des Films bis zum Plot selbst: Darin wird der faszinierende Antiheld Eric Draven gemeinsam mit seiner Freundin Opfer eines tödlichen Überfalls. Doch anstatt mitsamt Seele ins Jenseits zu verschwinden, verdankt Draven einer mysteriösen Krähe seine Wiederauferstehung – und seine besonderen Kräfte. Diese reichen von seiner relativen Immunität für Schmerz und Erschöpfung über übernatürliche Stärke und Reflexe – bis zur engen spirituellen Verbindung zu Krähen. Fortan lebt Draven im Schatten, geplagt von seinem Verlust und begibt sich auf eine gigantische Rachetour. Die finstere Erzählwelt der über 45 Comics wurde 1993 durch den Film mit Brandon Lee ergänzt, dem Sohn des legendären Bruce Lee.
Ein Kultfilm der 90er
Für die Hauptrolle des Films von Alex Proyas wurden zwischenzeitlich Johnny Depp, Christian Slater und River Phoenix diskutiert. Doch der anspruchsvolle physische Part der Hauptfigur Eric Draven prädestinierte schließlich Brandon Lee für die Rolle. Nach einigen Kung-Fu-Filmproduktionen und dem US-Actionwerk Showdown in Little Tokyo (1991) mit Dolph Lundgren sollte Brandon Lee in the Crow weiter ins Rampenlicht rücken. Die Umstände der Filmproduktion inklusive des tragischen Setunfalls, der Brandons Leben kostete, sind heute mit zahlreichen nicht immer korrekten Mythen und Legenden verwoben. Viele der damaligen Schlagzeilen wurden den tragischen Umständen nicht gerecht.
Vor Lee standen noch drei Drehtage, wichtige Szenen mussten nachgedreht werden. Etwa acht Millionen Dollar wurden investiert, am Ende etwa ein Drittel des Filmbudgets, um durch aufwendige digitale und physische Filmtricks das Werk zu finalisieren. Während der Film inhaltlich einige Unterschiede zum Comic aufwies, bewahrte er sich den sinistren Ton der gezeichneten Vorlage. Der Film, der einige spürbare Schwächen bei Plot und Charakterisierungen aufwies, konnte sich dennoch eine passionierte Fangemeinde erspielen. Auch einige Kritiker, wie der namhafte Roger Ebert, sahen in ihm ein beachtenswertes Frühwerk vor der modernen Superheldenblüte.
Zwischen Underground und Popkultur
Der Indie- und Undergroundflair des 80er-Comics schaffte in den 90ern auch dank des Films den Schritt zum popkulturellen Kultphänomen. Kurzgeschichten, Soundtrack-Kollektionen, eine kanadische Fernsehserie und The Crow: City of Angels, ein Videospiel des Jahres 1997 für Sega Saturn, PlayStation und PC ergänzten das Portfolio des Franchises. Die Umsetzung eines Remakes nahm im Jahr 2022 an Fahrt auf – dabei schlüpfte Bill Skarsgård (Es, Eternals) in die Hauptrolle, Rupert Sanders (Snow White and the Huntsman, Ghost in the Shell) nahm den Platz auf dem Regiestuhl ein.
Von den ersten Comics in den späten 80ern an machte Crow über die Jahrzehnte immer neue Evolutionen und Revivals durch. Da wären zum Beispiel zwischenzeitliche Highlights wie die Werke mit dem Untertiteln Dead Time (1996), in dem ein neuer Crow eingeführt wurde, und Flesh and Blood (1996), mit einer weiblichen Crow. Auch Image Comics und IDW Publishing wagten sich ab 1999 sowie in den 2010er-Jahren an neue Werke des Crow-Kosmos. Erinnerungswürdig bleibt aber vor allem der sinister-existenzialistische Kern des Werks, der den Nerv der Underground-Comicszene der Generation X traf und durch den Film zu einem popkulturellen Phänomen aufstieg. Dabei schwingt bei The Crow auch aufgrund der Entstehungsgeschichte, des Plots und der Ereignisse am Filmset immer schon ein Aspekt von persönlicher Tragik mit.