Mike Mignolas dämonischer Antiheld
Entstiegen aus einem Dämonenportal, gehört Hellboy heute zu den omnipräsenten Antihelden des Comicuniversums. Der Ursprung der Figur ist eng mit dem Namen Mike Mignola verbunden.
Als Mike Mignola vor mehr als 30 Jahren seine dämonische Kreation auf der Great Salt Lake Comic-Con präsentierte, verwendete er den Namen Hellboy eigentlich nur spaßeshalber. Dass daraus eine Comicreihe mit 19 Volumes sowie drei Filme entstehen sollten, konnte Mignola 1991 noch nicht ahnen. Nicht aus Jux heraus entstanden ist hingegen der Name Anung Un Rama. Es handelt sich um Hellboys echten Dämonennamen, den man besser nicht leichtfertig ausspricht. Er bedeutet frei übersetzt so viel wie "Träger der Flammenkrone", prophezeit seine Zukunft als Bringer der Apokalypse. Und unterstreicht sofort: Die dämonische Figur ist so ganz und gar nicht als klassischer (Super-) Held zu verstehen.
Die Wurzeln von Hellboy
Mike Mignola konnte auf einen reichen Erfahrungsschatz bei Marvel und DC zurückgreifen, bevor er Hellboy in der frühen Comicedition San Diego Comic Con Comics #2 im August 1993 erstmals in Langform präsentierte. Schon in den 1980ern arbeitete Mignola als Zeichner an Daredevil und The Incredible Hulk, später sollte er als Concept Artist an Disneys Atlantis (2001), an Blade II (2002) an Pixars Merida (2012) mitwirken. 1994 schließlich erschien die extrem einflussreiche Hellboy-Reihe bei den renommierten Dark-Horse-Comics. Entstiegen aus einem Dämonenportal im Zweiten Weltkrieg, lassen sich seine dämonischen Wurzeln bis zum Erzdämon Azzael und zur Hexe Sarah Hughes zurückverfolgen. Volume 9: The Wild Hunt unterstreicht gar, dass seine Mutter uneheliches Kind von König Arthur und Morgan Le Fay sein soll. Der Protagonist der Comicreihe trägt damit königliches Blut in sich. Seine Wurzeln verleihen ihm übermenschliche Kraft und Ausdauer, mysteriöse Heilenergien und dämonische Gestaltwandlung. Dank ihnen stellt er sich zusammen mit der verbündeten Agency Paranormal Research and Defense (B.P.R.D.) finsteren Mächten und Hexen entgegen.
Von Mignola zu del Toro
In den letzten 30 Jahren erschienen mehrere Hellboy-Comics, die heute als Klassiker der Reihe gelten. Ob der Vierteiler The Wolves of Saint August (1994) mitsamt Werwolf-Plot, das einflussreiche Frühwerk The Corpse (1995), welches das Geheimnis der Feen in Irland erkundet, das absurde Box Full of Evil (1999) oder die Collection-Edition Wild Hunt (2008-2009), in der die royalen Wurzeln des Protagonisten beleuchtet werden. Als Schlüsselwerk kann jedoch der erste Comic Seed of Destruction (1994) gelten, in dem die Origin Story des Antihelden, insbesondere dessen Ankunft durch ein höllisches Portal beschrieben wird. Seed of Destruction legte den narrativen Grundstein für die Verfilmung aus dem Jahr 2004.
2002 hatte Blade II den mexikanischen Regisseur Guillermo del Toro (Pan's Labyrinth, The Shape of Water) ins Rampenlicht des Mainstreams katapultiert. Sein nächstes Werk sollte Hellboy heißen. Die Entwicklung des Drehbuchs folgte in enger Kollaboration mit Mike Mignola, dabei ließ man sich ästhetisch von Comic-Maestro Jack Kirby und Animationsgenie Ray Harryhausen inspirieren. del Toro begann das Projekt zuerst ohne feste Produzenten im Rücken, hatte jedoch bereits bei der Niederschrift des Skripts Ron Perlman für die Hauptrolle im Auge. Dieser ließ sich nicht zweimal bitten und führte so innerhalb der 130 Drehtage ein Cast aus Selma Blair, John Hurt und Rupert Evans an. Mit Einnahmen von etwa 100 Millionen war der Film kein Megahit, doch positive Kritiken ermöglichten den finanziell weitaus erfolgreicheren zweiten Teil The Golden Army (Box Office: 168 Millionen Dollar). 2019 schließlich sollte David Harbour (Brokeback Mountain, Stranger Things) die Titelrolle im monetär wie künstlerisch gefloppten Hellboy-Film von Neil Marshall übernehmen.
Dämonischer "Good Guy"
"Believe it or not, he’s the good guy" - so lautet die markante Tagline des zweiten Films. Und beschreibt die faszinierende Dynamik des Hellboy-Universums. Obwohl selbst kein moralischer Engel, sondern wortwörtlich ein Dämon, stellt sich Hellboy den höllischen Plagen der Welt entgegen. Die Reihe Hellboy spielt sichtbar mit der Ikonographie des Christentums und der Hölle, bricht zugleich mit den Konventionen, indem sie ein quasi-teuflisches Wesen zum Helden macht. Aus diesem Spannungsverhältnis speist sich gar ein Teil der Faszination der Reihe. Obwohl Hellboy in Hell (2012-2016) das vorläufige Ende der Comic-Arbeit von Mike Mignola markierte, bleibt die Figur dank neuer Comics und Verfilmungen erzählerisch am Leben. Mit The Crooked Man folgt 2024 ein Reboot der Filmreihe – mit Mignola als Drehbuchautor.