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Level-Up im neonfarbenen Nerdkosmos

Level-Up im neonfarbenen Nerdkosmos

Alles begann mit den bunten Comics von Bryan Lee O'Malley. Spätestens mit dem Kinofilm von Edgar Wright ist die Scott Pilgrim-Reihe Kult geworden. Nun folgt die Animationsserie.

Scott Pilgrim steht für einen faszinierenden Mix aus Videospiellogik und Comicästhetik. Dabei taucht das kanadische Erzählwerk in eine bunte Nerdwelt mit High Concept-Idee ein: Um Ramona Flowers für sich zu gewinnen, muss Scott sieben Exfreunde besiegen. Diese simple wie nerdige Idee wird gewürzt durch gamifizierte Level-Ups, übermenschliche Heldenkräfte und Rockmusik. Das Erzähluniversum von Scott Pilgrim kombiniert so verschiedene Nerdkosmen. Entsprungen ist es der Vorstellungswelt des Kanadiers Bryan Lee O'Malley. 

Inspirieren ließ sich O'Malley durch den gleichnamigen Song der Indie-Rockband Plumtree. Dabei wollte er die in Amerika übliche Comicästhetik mit japanischer Mangastilistik verheiraten. Setting ist eine fiktive Repräsentation der Metropole Toronto. Der namensgebende Hauptcharakter erträumt sich das Leben eines Rockstars, ist Mitglied der nerdigen Rockband Sex Bob-omb. Doch dann stellt die lebhafte wie mysteriöse Ramona Flowers alles auf den Kopf. Zwischen 2004 und 2010 erschienen sechs Bände der Graphic Novel. Für Scott Pilgrim vs. The Universe erhielt O'Malley 2010 schließlich den renommierten Eisner Award. Die Entstehungsgeschichte trägt Züge eines Märchens: Aus der Erwartung O'Malleys, etwa 1.000 Comics zu verkaufen, entwickelte sich stattdessen ein internationaler Millionenseller. Und die Vorlage einer preisgekrönten Comicverfilmung.

Kinoflop mit zweitem Frühling

Nach den Kultkomödien Shaun of the Dead (2004) und Hot Fuzz (2007) widmete sich Regisseur Edgar Wright der bunten Ideenwelt von Bryan Lee O'Malley. In Scott Pilgrim vs. the World versammelte er ein ansehnliches Cast. Dabei war dem Inhaber des Regiestuhls sofort klar: Die Hauptrolle ist reserviert für Michael Cera. Der Kanadier passte nicht nur perfekt in die Lebenswelt eins fiktiven Torontos, der noch junge Darsteller aus Superbad (2007) und Juno (2007) verfügt auch über eine natürliche Nerdaura, wie geschaffen für Scott Pilgrim. Außerdem dabei: Mary Elizabeth Winstead als Ramona Flowers, der die Rolle des Love Interest zukommt. Ergänzt wurde das Ensemblecast durch mittlerweile berühmte Namen wie Anna Kendrick, Alison Pill, Brie Larson, Aubrey Plaza und Jason Schwarzman. Edgar Wright beschritt beim Dreh unkonventionelle Routen – beispielsweise sollten die Schauspieler möglichst nicht blinzeln, um das künstliche Flair japanischer Animes auf die Leinwand zu bannen. Die Songs der fiktiven Band Sex Bob-omb wurden größtenteils vom Grammy-Preisträger Beck komponiert.

Leider war die Verfilmung kein Erfolg an den Kinokassen. Die 85 Millionen Dollar des üppigen Budgets konnten durch Kinobesuche allein nicht wieder eingespielt werden. Auf der Abrechnung standen bloß etwa 50 Millionen Dollar. Einen zweiten Frühling erlebte Scott Pilgrim vs. the World dank DVD und Blu-Ray: Dort spielte das Filmwerk dutzende Millionen ein, fast so viel wie an den Kinokassen. Wie Blade Runner (1982), The Big Lebowski (1998) oder Fight Club (1999) gehört es damit zur illustren Runde der Filme, die durch DVD und Blu-Ray finanziell gerettet wurden. Und: Diese Langlebigkeit an den Heimbildschirmen ist zugleich ein bestes Indiz, dass der Film Kultstatus erreicht hat. 

Neue Nerdgeschichten

Dem Status des modernen Kultfilms verdanken sich nicht nur angekurbelte Verkaufszahlen für die Comicreihe, als Konsequenz entstanden medienübergreifende Spin-offs. Logische Antwort auf die Videogameästhetik des Films war die Veröffentlichung des Videospiels Scott Pilgrim vs. The World: The Game (2010), das zum Release durchaus beachtliche Kritiken erhielt. 2023 gibt es ein weiteres Revival, denn auf Netflix erscheint Scott Pilgrim Takes Off. Besonderheit der Animationsserie von Edgar Wright, BenDavid Grabinski und Bryan Lee O'Malley: Im Englischen sind vornehmlich die originalen Schauspieler zu hören – von Michael Cera über Mary Elizabeth Winstead bis zu Anna Kendrick und Aubrey Plaza. 

Der musikliebende Nerd von Bryan Lee O'Malley hat in den letzten 20 Jahren prominente Spuren in der Comic- und Filmwelt hinterlassen. Aus der Erwartung, nur 1.000 Comics zu verkaufen und einem Box-Office-Flop resultierten stattdessen ein Millionenseller und ein Kultfilm. Die Namen Scrott Pilgrim und Ramona Fowers sind in die moderne Popkultur eingegangen. Dass Netflix 2023 ein weiteres Kapitel mit einer animierten Umsetzung öffnet, überrascht daher wenig. Man darf über die nächsten Inkarnationen des crossmedialen Werks gespannt sein.

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