Kult im Weltraum
In den 80er-Jahren hat es die Anime-Produktion Captain Future zum Kultfernsehen geschafft. Das Original ist einem Autor zu verdanken, der auch für das legendäre Pulp-Magazin Weird Tales schrieb.
Wizard of Science: Unter diesem Untertitel erschienen in den 40er-Jahren die Pulp-Romane von Captain Future. Die Erzählungen von Edmond Hamilton legten die Grundlage für eine animierte Kultserie, welche Kindheiten in den 80ern und 90ern prägen sollte. Als Hauptcharakter präsentiert sich der heroische Wissenschaftler Curtis Newton, der sich dem kosmischen Kampf gegen das Verbrechen widmet. Der rothaarige Held trägt den stolzen Titel Captain Future.
Früh verliert er seine Eltern, weshalb er durch ihre robotischen Schöpfungen Grag und Otto sowie durch das lebende Gehirn des Wissenschaftlers Prof. Simon Wright aufgezogen wird. Später stellt sich auch die findige Agentin Joan Landor an seine Seite, die im englischsprachigen Original Joan Randall heißt. Futuristisches Fortbewegungsmittel ist das Raumschiff Comet, das mit seinem länglichen Design so auch in Stanley Kubricks 2001: A Space Odyssey hätte auftauchen können.
Weird Tales und awesome Soundtracks
H.P. Lovecraft und sein Cthulhu-Mythos, Robert E. Howard und seine Conan-Erzählungen, Robert Bloch und sein später von Alfred Hitchcock verfilmter Roman Psycho: Sie alle waren literarische Hauptdarsteller im Pulp Magazin Weird Tales. In dieser namhaften Runde von Autoren befand sich auch Edmond Hamilton, der seine Pulp-Serie über Curtis Newton jedoch abseits seiner Weird Tales-Veröffentlichungen umsetzte. Dabei ging die Schöpfung ursprünglich gar nicht auf Hamilton zurück, sondern auf das Duo Mort Weisinger und Leo Margulies.
Weisinger ist versierten Comicfans ein Begriff, schließlich gilt er als Mitschöpfer von Aquaman und Green Arrow. Captain Future sollte ebenfalls ein energiegeladener Superheld mit übermächtigen mentalen und körperlichen Kräften werden. Doch die Pulp-Serie aus 1940 und 1944, mitten in der Kriegszeit entstanden, wurde dank des Autors Hamilton wesentlich geerdeter. Und Captain Future zum futuristischen Wissenschaftler im Kampf gegen das Böse.
Die ersten deutschen Übersetzungen der Pulp-Romane in den 50ern trugen noch den Titel Captain Zukunft. Das sollte sich spätestens mit der Anime-Umsetzung des japanischen Studios Tōei Dōga ändern, das heute als Tōei Animation (Dragon Ball, Sailor Moon, One Piece) weltweit bekannt ist. Etwas mehr als 50 Episoden wurden zwischen 1978 und 1979 produziert. Man blieb dabei erstaunlich nah am Original.
Bis heute wurden übrigens nicht alle Romane animiert, was Raum für Fortsetzungen ließe. Die deutschsprachige Umsetzung der Serie debütierte 1980 im ZDF. Mit einem ikonischen Soundtrack. Statt auf das japanische Original von Yūji Ōno, der auch den Soundtrack für Lupin III produzierte, setzte man auf das Talent eines Altbekannten: Christian Bruhn. Jahre vorher komponierte er bereits die Titelmelodie für Wickie und die starken Männer (ab 1974) und für Heidi (ab 1977). Gesungen wurde der Song von seiner damaligen Frau Erika – aus dem Schlagerduo Gitta und Erika. Und so trug der eingängige Soundtrack das Seinige dazu bei, Captain Future zum Kult werden zu lassen.
Makel der deutschen Version
Merkwürdig war vor allem die Veröffentlichungsreihenfolge vieler Episoden: Schließlich ließ man sie nicht chronologisch, sondern nach Synchronisationsreihenfolge veröffentlichen. Darunter litt die Kontinuität der Serie. Zudem wurde ein Teil der Folgen von 30 Minuten auf 25 Minuten herunter gekürzt. Als wäre das noch nicht genug, kamen dazu noch noch Übersetzungsfehler, so wurde aus dem Sonnensystem schnell mal die Milchstraße. Neben chronologischen Unstimmigkeiten litt die Show in ihrer deutschen Version also auch an radikalen Kürzungen und Übersetzungsfehlern.
Doch das war vielen jungen Zuschauern, die erstmals mit der Serie in Kontakt kamen, erst einmal egal. Captain Future wurde ein Hit, aus dem ein lukratives Merchandise-Geschäft erwuchs – von Kartenspielen über Panini-Alben bis zu Actionfiguren. Auch - und insbesondere - auch auf dem deutschen Markt. Und nach mehr als 45 Jahren liefert der Anime weiter Gesprächsstoff. Hartnäckig halten sich die Gerüchte über eine mögliche Realverfilmung.
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