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Königin des Sword & Sorcery

Königin des Sword & Sorcery

Red Sonja entstand 1973 im Einflussreich von Conan der Barbar. Seitdem hat sich die schwertschwingende Heldin durch den 80er-Film und die Comic-Inkarnationen erzählerisch emanzipiert.

Teufelin mit Schwert

Die Wurzeln der modernen Sword & Sorcery sind eng verknüpft mit dem Namen Robert E. Howard. So verwundert es wenig, dass der Schöpfer von Conan der Barbar seinen Einfluss bei einer weiteren Ikone des Genres wirken ließ: der mächtigen Schwertmeisterin Red Sonja. Genau genommen waren es Roy Thomas und Barry Windsor-Smith, die sie 1973 erschufen, doch ließen sie sich dabei von Red Sonya of Rogatino aus Howards Kurzgeschichte The Shadow of the Vulture (1934) inspirieren. Die heroische Schwertmeisterin mit rotem Haar trägt seitdem den markanten Spitznamen she-devil with a sword (Teufelin mit einem Schwert). 

Markenzeichen der überzeichneten Heldin ist die gepanzerte Bikinirüstung, deren sexualisierte Darstellung zwischenzeitlich Anlass für Kritik lieferte. Allerdings machten in neueren Editionen auch Autorinnen wie Gail Simone und Marguerite Bennett ihren Einfluss geltend, welche die Bisexualität und den Feminismus von Red Sonja als progressives Statement herausarbeiteten. Und dem Charakter neues Leben einhauchten. Sonja debütierte 1973 in Conan the Barbarian #23, emanzipierte sich spätestens mit dem ersten eigenständigen Comicband im Jahr 1977 – damals noch bei den Marvel Comics - aus den Fängen des Conan-Universums. Im Stil des Low Fantasy verzichtet ihr Charakter auf überzogene Heldenkräfte, zeichnet sich stattdessen durch ihre Athletik, ihre Kunst des Spurenlesens und ihre Schwertfähigkeiten aus. 1985 erschien die Heldin erstmals auf der Leinwand, im Kino-Debüt von Brigitte Nielsen.

80er-Film und Reboot

Einen Edel-Cameo im Filmwerk von Richard Fleischer (20.000 Meilen unter dem Meer, Doctor Dolittle) war für Arnold Schwarzenegger vorgesehen, der sich nachträglich jedoch mehrmals vom Film distanzierte und ihn zur Pointe eines Gags machte: So drohte er seinen Kindern bei Unartigkeit, ihnen den Film Red Sonja zehnmal in Folge zu zeigen. Fleischer übernahm die Regie nur ein Jahr nach seiner Regiearbeit von Conan der Zerstörer (1984). Dabei waren beiden Barbarenfilmen, im Gegensatz zum Original von 1982, keine guten Kritiken beschienen. Allerdings konnte der Film auf einen Soundtrack des legendären Komponisten Ennio Morricone (Zwei glorreiche Halunken, Spiel mir das Lied vom Tod) zurückgreifen. In den letzten Jahren feierte der Film ein kleines Revival, was in eine aufwändige 4K-Restauration mündete.

Seit Robert Rodriguez 2008 ein Reboot in Aussicht stellte, rissen die Gerüchte über eine filmische Neuinterpretation nicht mehr ab. Für 2024 wurde schließlich eine Neuverfilmung mit der britischen Regisseurin M.J. Bassett (Silent Hill: Revelation, Altered Carbon) und Darstellerin Matilda Lutz (Medici) in der Hauptrolle angekündigt. Es bleibt abzuwarten, ob dieser Film seinem Originalstoff gerecht werden kann. Die Origin-Story des Comics jedenfalls spart nicht mit düsteren Details (Triggerwarnung): Sie erzählt von der jungen Kriegerin, die dem Mord ihrer Eltern zusehen muss und selbst Opfer eines brutalen sexuellen Übergriffs wird. In diesem Ursprung liegt die Wurzel ihrer Aversion gegen repressive Formen der Männlichkeit.

Die Ambivalenz der Schwertheldin

Die nomadische Schwertheldin entstammt einer besonderen Comicepoche im Dunstkreis der Sexuellen Revolution der späten 60er und frühen 70er, als leicht bekleidete und wehrhafte Heldinnen wie Vampirella oder ebenjene Red Sonja selbstbewusst auf die Comic-Bühne traten. Zwischen 2019 und 2020 entstand übrigens ein Comic-Crossover mit dem Titel Vampirella/Red Sonja. Auch in Marvels Spider-Man-Comics tauchte sie zwischenzeitlich auf. Am berühmtesten ist jedoch das stetige Crossover mit Conan. Die freizügige Präsentation der Figur in den frühen Comics sorgte zwischenzeitlich für ambivalente Kritiken, dabei waren schon damals ihre sexuelle Emanzipation und martialische Durchsetzungsfähigkeit ein Markenzeichen. Spätetens mit den neueren Editionen sind die feministischen Charakterzüge deutlicher ausgearbeitet worden. 

Red Sonja ist weit mehr als ein feminines Spiegelbild von Conan. In den 80er-Jahren sind zahlreiche Romane mit ihren Geschichten erschienen, der Film mit Brigitte Nielsen arbeitete trotz aller Kritik bedeutende Charakterzüge der weiblichen Heldin heraus, die sich mit dem neueren Film cineastisch hoffentlich weiter ausdifferenzieren kann. Zu den kurioseren Spin-Offs zählt übrigens ein Abenteuermodul des Tabletop-RPGs Dungeons and Dragons, das 1986 mit dem Titel Red Sonja Unconquered erschien. Inwieweit sich in Zukunft die erzählerischen Türen für die emanzipierte Schwertheldin weiter öffnen, gehört zu den spannenden Fragen des gegenwärtigen Superheldenkosmos.

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