Heldin mit kosmischer Macht
Carol Danvers war in den 1960ern eine Antwort auf die typisch männlichen Superhelden. Und wurde nach zahlreichen Iterationen zu Captain Marvel – mit einigen der besten Comics der Figur und ihrem Debüt im MCU. #captainmarvel #mcu #feminismus
Geschichte der Comicheldin
Der Name Carol Danvers tauchte erstmals 1968 auf, schon damals beschrieben als Air Force-Pilotin und Sicherheitschefin einer Militärbasis. Durch ein Unglück kommt sie einer außerirdischen Technologie und dem Kree Captain Mar-Vell zu nahe – erlangt so die außergewöhnlichen Superkräfte der Ms. Marvel, um später in das Alter Ego Captain Marvel umbenannt zu werden. Die Geschichte der Comicheldin verläuft also durchaus verworren. Captain Marvel hat über die Jahrzehnte mehrfach ihr Antlitz verändert: In den Comics übernahm Monica Rambeau in den 80ern die Rolle, und Genis-Vell sowie Phyla-Vell in den 90ern und 2000ern. Selbst Grant Morrison versuchte sich um 2000 an einer Version namens Noh-Varr. Bis die Rolle ihren Bogen zu Carol Danvers machte. Und damit ab 2012 einige der besten Comics zu Captain Marvel lieferte.
Carol Danvers war, als sie in den späten 60ern zum ersten Mal in Marvel Super-Heroes #13 auftauchte, bei weitem nicht die erste bedeutende Superheldin. Der Titel geht an Wonder Woman (1941), bzw. weniger bekanntere Ahnen wie Sheena, Queen of the Jungle (1938) und Black Widow a.k.a Claire Voyant (1940). Carol Danvers, später Captain Marvel, half jedoch dabei, ein neues Zeitalter der Comicheldinnen einzuleiten. Als feministisch geprägte Antwort auf die omnipräsenten männlichen Superhelden entzog sie sich der Degradierung zum reinen Love Interest oder Eye Candy. Mit Ms. Marvel #1 (1977) erhielt sie nicht nur ihre eigene Comicreihe, ein Jahr später stieß sie in The Avengers #171 zur berühmten Gruppe der Heroen. Und wurde so zur einflussreichen Superheldin der Marvel Comics.
Danvers im Marvel Cinematic Universe
Mit Captain Marvel (2019) feierte die Comicheldin relativ spät im Marvel Cinematic Universe Premiere. Ursprünglich sollte Danvers bereits in Avengers: Age of Ultron (2015) debütieren. Man entschied sich dagegen, um sie nicht nebenher in einem Ensemble, sondern durch einen eigenen Film im MCU zu etablieren. Auch die Idee, Carol Danvers an die Seite von Jessica Jones in der gleichnamigen Serie (2015-2019) zu stellen, wurde verworfen – da man die Alternative Trish Walker durch die Abwesenheit von Superkräften als passender empfand. Und so sollte es bis 2019 dauern, bis die oscarprämierte Schauspielerin Brie Larson erstmals in der Rolle zu sehen war.
Bei der Beschreibung des Charakters nimmt sich die Verfilmung von 2019 einige kreative Freiheiten. Auch, weil einiges am Origin ursprünglich an Green Lantern erinnerte. Im Film lernen wir die Heldin als Kriegerin Vers kennen. In ihrer Konfrontation mit den Skrulls landet die Kree auf der Erde, wo sie nicht nur Nick Fury und S.H.I.E.L.D. kennenlernt, sondern auch ihre eigentliche Vergangenheit als Carol Danvers. Bereits seit 2013 befand sich der Film in Entwicklung, der weltweit über eine Milliarde Dollar einnahm. Damit war er der erste Film mit weiblicher Superheldin in der Hauptrolle, der diese finanzielle Schallmauer durchbrechen konnte. Und legte den Grundstein für Carol Danvers im MCU – und ihr späteres Auftauchen in Avengers: Endgame (2019) und der Serie Ms. Marvel (2022).
Im Blickwinkel einer Heldin
Der Film von 2019 macht seine feministischen Aspirationen ungefiltert klar. Auch spürbar in folgendem Originalzitat:
"I've been fighting with one hand tied behind my back. What happens when I'm finally set free?"
Carol Danvers hatte es selten einfach, in den Comics wird sie vor allem durch ihr Scheitern und Leiden – und nicht immer faire Hindernisse - definiert. So verliert sie ihre Superkräfte an Rogue, um vorübergehend machtlos zu bleiben, muss mehrfach ihrem Ende entgegenblicken und wird im kontroversen Comic Avengers #200 von 1980 (Triggerwarnung: sexuelle Gewalt) gar vergewaltigt und degradiert. Doch Carol Danvers steht immer wieder auf.
Danvers präsentierte sich in den 60ern und 70ern als erfrischende Alternative zum eingefahrenen Testosterondschungel aus männlichen Superhelden. Das Revival von Captain Marvel durch Carol Danvers brachte uns einige der besten Comics der Heldenfigur – von Enemy Within (2012), In Pursuit of Flight (2012), Down (2012) sowie Stay Fly (2014). Trotz aller zwischenzeitlich fragwürdigen Darstellungen hat sich Captain Marvel spätestens mit dem MCU und der Übernahme der Rolle durch Carol Denvers ihren eigenen heldenhaften Ikonenstatus erreicht. Sie beweist seit 1968, warum es unerlässlich ist, die Facetten des weiblichen Heldentums in ihren Nuancen zu erkunden. Übrigens auch fernab von übermenschlichen Taten.