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Die Blaupause eines Antihelden

Die Blaupause eines Antihelden

Superhelden mit Ikonenstatus, die nach den 80er-Jahren entstanden, sind rar gesät. Doch Deadpool gehört nachweislich dazu – auch dank der filmischen Darstellungen durch den Hollywood-Mimen Ryan Reynolds. #deadpool #marvelcomics #antihelden

Deadpool: Mehr Antiheld geht nicht. Diese Vorstellung ist bereits in der persönlichen Schöpfungsgeschichte aus den Marvel Comics angelegt. Inspiriert von einem Bösewicht aus den DC Comics der 80er-Jahre, Deathstroke, startete er ebenfalls als Gegenspieler – in den Comics der New Mutants und X-Force. Doch wurde er so populär, übertrumpfte dabei auch sein Comicvorbild Deathstroke, dass er die Wandlung vom Antagonisten zum Antihelden vollzog. Damit funktioniert er auch als eine Art Statement gegenüber dem traditionellen Bild der Superhelden von Captain America bis Superman. Der zynische Charakter ist vieles, aber sicherlich kein strahlender Held ohne Fehler. Er ist kein Vorbild – und will auch keins sein.

Humor auf Metaebene

Deadpool brilliert mit düster-makaberem Humor auf der Metaebene, teils selbstironisch, teils die Vierte Wand der dramatischen Konventionen durchbrechend. Dahinter steckt die tragische Geschichte einer Figur, deren Leben vom Krebs gezeichnet ist. Die humoristische Fassade wird so durchaus von tragisch-dramatischen Elementen durchbrochen, die dem Charakter des Wade Wilson – so der Name hinter dem Alter Ego - Schichten und Ebenen verleiht. Ein Meister in Martial Arts, mit verstärkten Heilungsfähigkeiten versehen und quasi unsterblich, trägt er tatsächlich klassische Superkräfte mit sich. Doch sein Verhalten erinnert so gar nicht an die Heroen des Golden Age of Comics.

Ryan Reynolds als Wade Wilson

Nicht zum ersten Mal schlüpfte Ryan Reynolds in das Kostüm eines Superhelden, als er 2016 die zentrale Rolle in Deadpool übernahm. Zuvor bereits tauchte er als Hannibal King in Blade: Trinity (2004) sowie als Green Lantern (2011), der ikonischen Figur der DC Comics, auf. Doch mit Deadpool scheint er seine Rolle gefunden zu haben. Im Film von Tim Miller (Terminator: Dark Fate) werden die dramaturgischen und emotionalen Grundkoordinaten des Charakters aufbereitet. Beginnend mit seiner schicksalhaften Krebserkrankung bis zu seinem neuen Leben als sarkastischer Superheld, für den klassische Moral und Ethik nur eine Fußnote sind.

2018 folgte eine nicht weniger erfolgreiche Fortsetzung, die ähnliche Zahlen an der Kinokasse generierte, mit David Leitch (Atomic Blonde) auf dem Regiestuhl. In Planung ist zudem ein dritter Film, dessen humorvoll angehauchtes Promo-Material frühzeitig eine Integration in das MCU teasert. Bereits vor den Verfilmungen war die Popularität riesig, doch mit Ryan Reynolds Porträt ist die Schar der Verehrer und Verehrerinnen weiter angewachsen: Der Antiheld mit schwarz-rotem Kostüm gehört heute zu den unangefochtenen Fanfavorites. Auch, weil er nicht wie ein klassischer Superheld funktioniert – und sich über dieses Dasein stattdessen auch noch lustig macht. Nach dem Prinzip: Wer Gutes tut, muss selbst nicht per se gut sein.

Die obskuren Facetten des Marvel Charakters

Dass makabere Absurditäten zum Programm eines Charakters gehören, der den Tod in seinem Namen eingraviert hat, mag wenig überraschen. Doch, dass in einer alternativen Version des Charakters sowas wie Deadpool Kills the Marvel Universe herauskommt, ein Teil der sogenannten Killology des Charakters, erklärt faszinierend viel über den abgedrehten Antihelden. Darin wendet sich der Charakter gleich gegen das ganze Marvel-Universe, mit blutigen Konsequenzen für die Fantastic Four und Co.

Am Ende bleibt stehen: Deadpool ist anders. So anders, als viele traditionelle Superhelden, dass sich daraus allein bereits seine Popularität erklären lässt. Aus einem offensichtlichen Knockoff ist einer der innovativsten, selbst-referentiellsten und abgedrehtesten Superhelden geworden. Nicht umsonst konnte der erste Film mit einem moderaten Superhero-Budget von knapp 60 Millionen Dollar über 780 Millionen an den Kinokassen einnehmen. Nicht umsonst hat Ryan Reynolds nach seiner Exkursion in die DC-Gefilden eines Green Lantern nun seinen Platz im Pantheon der Marvel und bald auch MCU-Verfilmungen gefunden. Deadpool ist schlicht anders. Ein purer Antiheld. Und deshalb so populär.
                                                       
 
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