Der eiskalte Gentleman des Verbrechens
Batman und Pinguin verbindet eine legendäre Rivalität. Dabei lässt das komplexe Verhältnis zwischen Oswald Cobblepot und der ominösen Fledermaus durchaus temporäre Bündnisse zu. #pinguin #batmancomics #thepenguin #thebatman
Oswald Chesterfield Cobblepot hängt der zweifelhafte Ruf eines Gentleman of Crime an. Bekannt ist der gerne überzeichnete Verbrecherboss für sein tierisches Alter Ego Pinguin. Dabei setzt er auf auffällige visuelle Markenzeichen: Zylinder, Tuxedo, Monokel und den allseits präsenten Regenschirm, der zuweilen als hilfreiches oder mörderisches Gadget etabliert wird. Cobblepot ist von Beginn an dabei, so debütierte die Schöpfung von Bill Finger und Bob Kane in Detective Comics #58 aus dem Jahr 1941.
Das Verhältnis des legendären Widersachers zu Batman ist allerdings komplex. Seine Missetaten prädestinieren Cobblepot eigentlich exklusiv zum Gegenspieler des Dark Knight. In der Comicreihe Earth One (2012) versucht er als Bürgermeister von Gotham City gar die Eltern Batmans zu ermorden. Ironischerweise wird Penguin in der alternativen Zeitlinie von Flashpoint (2011) zum Sicherheitschef von Thomas Wayne ernannt. Und unterstreicht so faszinierende Facetten des listigen Gentlemans. Denn auch in der neuen Comicera New 52 schlägt sich Cobblepot während der Handlungen des Comics Emperor Penguin (2013) temporär auf Batmans Seite, um einen rebellischen Handlanger zu vernichten. Die als Widersacher prädestinierten Pinguin und Fledermaus verbindet also nicht nur eine besondere Feindschaft.
Filmabenteuer eines Superschurken
Cobblepot präsentierte sich auf den heimischen Bildschirmen erstmals in der avantgardistischen 60er-Jahre-Serie mit Adam West und Burt Ward. Die Rolle ging an den zweifach oscarnominierten Schauspieler Burgess Meredith, der die exzentrischen Aspekte der Figur in seiner Darstellung hervorhob. Überzeichnet war gleichfalls das düstere Porträt durch Danny DeVito, der in Batman Returns (1992) ein frühes filmisches Benchmark der Figur lieferte. Das 90er-Debüt auf der Leinwand war auch für viele Zuschauer der erste Kontakt mit dem finsteren Bösewicht. Tim Burton und Danny DeVito führten der Figur zusätzlich zu ihrer Exzentrik einige gekonnte Horror-Elemente hinzu, ergänzt durch eine finstere Backstory.
Mit einer langen Unterbrechung folgte Colin Farrells Performance in The Batman (2022), der hier ursprünglich als schlichter Nachtclubbesitzer porträtiert wird. Eine ungewöhnliche Origin-Story, die der Oscarnominierte von 2022 durchaus beachtlich zum Leben erweckt. So beachtlich, dass mit der Standalone-Serie The Penguin von HBO Max zukünftig eine eigenständige TV-Adaption folgen soll. Ein wichtiges Live-Action-Portrait liefert übrigens auch Robin Lord Taylor als junger Pinguin in der TV-Serie Gotham (2014-2019). Dazu gesellen sich die animierten und interaktiven Adaptionen der Figur, in denen unter anderem Paul Williams und David Ogden Stiers die englischsprachige Animationsfigur und Nolan North, bekannt als Nathan Drake aus der Spielreihe Uncharted, die Persona in der Arkham-Videospielreihe stimmlich übernahm.
Neue Facetten des Pinguins
Wer Cobblepot und seine Facetten fernab der Film- und Seriendarstellungen kennenlernen möchte, kann auf einige Must-Reads unter den DC Comics zurückgreifen. Da wäre beispielsweise die Limited Series Penguin: Pain and Prejudice (2011-2012) – ein ernsthaftes Porträt der sonst gerne überzeichneten Figur, die dessen komplexe Transformation von Opfer zu Täter aufzeigt. Der One-Shot Penguin Triumphant (1992) beleuchtet die rivalisierenden Business-Ventures von Penguin und Batman. Die empathische Seite von Cobblepot wird schließlich im One-Shot Joker's Asylum: Penguin (2008) erkundet, während die bereits erwähnte Comic-Reihe Batman: Earth One (2012) die Missetaten Pinguins in der ungewöhnlichen Rolle als Bürgermeister Gothams präsentiert.
Christopher Nolans populäre Dark Knight-Reihe verzichtete übrigens auf den Charakter. Gerüchteweise, weil sie nicht zum realistischen Ton der Filmreihe passte. Tatsächlich war es auf vielen Kanälen lange still um die über achzig Jahre alte Comicschöpfung, die aufgrund einer Erkenntnis der letzten Jahre eine Renaissance erlebt: Der Erkenntnis, dass fernab der Vorurteile noch viele unerkundete und interessante Aspekte in der Figur Pinguin stecken. Das beweisen nicht nur der Film The Batman mit Colin Farrell sowie die geplante Serie auf HBO Max. Neuere Comicexperimente wie Flashpoint oder Emperor Penguin unterstreichen zugleich, dass Cobblepot sein ewiges Dasein als Bösewicht transzendieren kann. Für 2023 wurde obendrein die Comic-Reihe The Penguin von Tom King als Teil des Dawn of DC angekündigt, das erste vollwertige Comic-Spin-Off seit Cobblepots Debüt 1942. Die Geschichte von Oswald Chesterfield Cobblepot, dem eiskalten Gentleman of Crime, ist noch längst nicht auserzählt.