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Der düstere Posterboy der DC Vertigo Comics

Der düstere Posterboy der DC Vertigo Comics

Ab 1988 machte Hellblazer die Vertigo Comics mit sinistren Erzählungen unsicher. Der Hauptcharakter, John Constantine, präsentiert sich als zynischer Antiheld, unter dessen Oberfläche der Humanismus regiert. #hellblazer #vertigo #constantine

Mitte der 80er-Jahre hatte der kultige DC Comic Swamp Thing ein spektakuläres Debüt parat. Dank Alan Moore, Stephen Bisette und John Totleben feierte die Reihe damals ihren narrativen Höhepunkt, als darin ein obskurer Ratgeber auftauchte. Ein Ermittler des Okkulten namens John Constantine. Sein Antlitz erinnerte an die Popikone Sting, ein Umstand, für den Moore seine Kollegen Bissette und Totleben verantwortlich machte. Nach Swamp Thing #37 (1985) wurde der ungewöhnliche Ermittler ab 1988 zum düsteren Posterboy der DC Vertigo Comics – mit seiner eigenen Reihe Hellblazer, die bis 2013 über 300 Publikationen ansammelte. Die Comicserie bot nach Alan Moore ikonischen Autoren wie Neil Gaiman, Garth Ennis, Grant Morrison sowie Brian Azzarello eine Bühne. Und wurde so auch künstlerisch zum Benchmark für Vertigo Comics, die bis 2020 als Imprint von DC Comics fungierten.

Mann mit Dämonenblut

Der Mann mit dem Dämonenblut ist bekannt für seine finstere Lebenseinstellung, seine fragwürdige Moral, die sich in einem markanten Zynismus versammeln. Und doch trägt der Antiheld tief vergraben heldenhafte Züge und humanistische Aspekte in sich. Der Mann im Trenchcoat ist mit magischen Kräften beseelt, die er seinem dämonischen Blut zu verdanken hat. Comics wie Hellblazer #8, #41 und #46 unterstreichen die Heilkraft seines roten Lebenssaftes, dessen Wirkung zudem in einem verlangsamten Altersprozess mündet. Neben der einflussreichen Comicreihe Hellblazer blieb einem breiten Publikum der nicht unumstrittene Film mit Keanu Reeves in Erinnerung. 

Keanu Reeves als John Constantine

Mit Im Auftrag des Teufels (1997), Matrix (1999) und John Wick (2014) hat Keanu Reeves von Kritikern wie Fans zelebrierte Filme vorzuweisen. Zu den kontroverseren Stücken gehört die Umsetzung des Films Constantine (2005) von Francis Lawrence (I am Legend, Die Tribute von Panem). Darin macht sich der Dämonenjäger Constantine auf, um die Umstände eines mysteriösen Selbstmords aufzuklären – und die Dämonen der Hölle zu konfrontieren. Die mutige Mischung aus Superhelden- und Horrorfilm entfernte sich teils fundamental von der Comicvorlage. 

Der Film operierte mit christlichen Motiven: Vom wiederkehrenden Erzählaspekt der Todsünde Selbstmord, bis zur direkten Konfrontation mit der Hölle und den dämonischen Wesen aus dem Fegefeuer. Doch schon der Look von Reeves hatte wenig mit der optischen Inspiration Sting gemein. Dabei ist die im Film eher oberflächlich abgehandelte Backstory im Comic die elementare Grundlage für seinen zynischen Charakter: Erst erwürgte er seinen Zwillingsbruder mit seiner Nabelschnur im Mutterleib, dann verlor er seine Mutter bei der Geburt, nur um schließlich von einem verbitterten und alkoholkranken Vater aufgezogen zu werden. Nach einem gescheiterten Exorzismus wird er schließlich einer Elektroschock-Therapie unterzogen. Zum allen Überfluss suchen ihn die Geister seiner verstorbenen Bekannten und Freunde heim. Noch heute polarisiert dagegen das filmische Werk: Für die einen eine der höchst unterbewerteten Comicverfilmungen, für andere eine Verhöhnung des Comic-Originals.

Der Einfluss von Constantine und Hellblazer

Constantine ist eine Comicfigur, die nicht nur bei Lesern, sondern auch unter ihren Schöpfern Eindruck hinterlassen hat. So gibt es im Comic Sandman Vol.2 #3 von 1989 ein Crossover von Sandman und Constantine. Kein Wunder, war doch Neil Gaiman an beiden Comicwelten beteiligt – so auch an Hellblazer #27. Ehemalige Kollaborateure der Hellblazer-Comics lieferten je ihre eigenen Hommagen: Für Doom Patrol erschuf Grant Morrison - der die Hellblazer-Comics #25 und #26 schrieb - Willoughby Kipling, der an Constantine erinnert. Warren Ellis (Hellblazer-Folgen #134 bis #143) kreierte einen verdächtig ähnlichen Constance Johannson für seine Planetary-Reihe. Der Einfluss von Constantine sprengt mittlerweile die Grenzen der Vertigo und DC Comics.

Seine Faszination verdankt sich der Charakter auch seiner polarisierenden Komplexität: Trotz einer traumatischen Kindheit und dem daraus resultierenden Zynismus lauert dahinter ein verborgener Humanismus, der ihn zu einem der faszinierendsten Antihelden werden lässt. Die desillusionierte Figur, die zwischenzeitlich als Anführer der Justice League Dark fungierte, half mit Hellblazer dabei, die Aufmerksamkeit auf die erwachsenen Vertigo Comics von The Sandman bis Fables zu richten. Dabei ist der Charakter auch nach dem Ende von Hellblazer und Vertigo einer der unvergesslichen Protagonisten von DC Comics geblieben.
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