Slinko und Céline Berger zeigen im „Matjö“ die Vergänglichkeit von Zukunftshoffnungen
In der Ausstellung „Bitter Harmony“ treffen zwei höchst unterschiedliche Techniken zusammen. Was die Arbeiten von Slinko und Céline Berger im Ausstellungsraum „Matjö“ verbindet, ist nicht nur die handwerkliche Perfektion, sondern auch das Thema, das sie jetzt im „Matjö“ zusammenführt.
Die beiden Künstlerinnen arbeiten schon lange zusammen, eine gemeinsame Lebenserfahrung – wenn auch an höchst unterschiedlichen Orten gewonnen – verbindet sie. Es ist die Erfahrung, dass hoffnungsvolle Lebensperspektiven zusammenbrechen können. Ein höchst aktuelles Thema.
Wohlstand in der Ukraine, friedliches Zusammenleben in der Landkommune
Slinko lebt heute in den USA, aufgewachsen ist sie im ukrainischen Donbass. Ein einst reiches Kohlerevier, das seinen Bewohner Wohlstand brachte, aber durch die ukrainisch-russische Auseinandersetzung zerstört wurde – erst recht durch den Einmarsch Russlands.
Die Kölnerin Céline Berger suchte ihr Glück in einer französischen Landkommune, bis sich die Menschen dort trennten, das hoffnungsvoll begonnene Zusammenleben endete. Daran erinnert sie mit ihren großflächigen Makramee-Arbeiten. Hinter den Knoten der Matten sind die Bilder von tanzenden Menschen auf grünen Wiesen zu erahnen. Erinnerungen an ein heiteres Leben, die sich zu verflüchtigen scheinen. Erst ein genauer Blick zeigt die aufwändige und sorgfältige Arbeit: Die Bilder hängen nicht hinter den Matten, sondern sind aus schmalen Streifen zusammengesetzt, die zwischen die Knotenreihen geschoben sind. Eine komplizierte Verflechtung – wie normales menschliches Zusammenleben.
Kampf zwischen Natur, Technik und Utopie
Genauso exakt und sauber gearbeitet sind die Stahlskulpturen von Slinko, die Spuren der Schweißarbeiten verstärken diesen Eindruck nur noch. Sie greifen die Tradition der ehemaligen Stahlwerke im Südosten ihrer Heimat auf. Zackig sind sie, sollen an Disteln oder Glockenblumen erinnern.
Bergers Arbeiten hängen an den Wänden des kleinen Ausstellungssaales, Slinkos Arbeiten liegen gut sortiert auf dem Boden. Ein fiktive Landschaft, die sich die stachlige Natur zurückerobert. Und den Betrachter in ihren Bann zieht. Und zugleich zur Vorsicht mahnt – denn Slinkos Skulpturen strahlen eine Kriegsmaterial-gefährliche Schönheit aus. „Bitter Harmony“ eben.
Ambivalente Makramee-Idylle auch an 27 Kunst-Litfaßsäulen
Von der Kölnerin ist parallel noch eine andere Arbeit an 27 Kölner Kunst-Litfaßsäulen zu sehen. Sie umspannt die Reklameflächen mit dem Foto einer ihrer Makramee-Matten, auch hier sind hinter dem Geflecht die Fotos tanzender Menschen zu erahnen. „Communal Thread No. 2“ holt die Idylle der Landkommune in die Hektik der Stadt. Eine vergängliche Idylle...
Jürgen Schön
Slinko & Céline Berger: „Bitter Harmony“ – „Matjö – Raum für Kunst des Bundesverbandes Bildender Künstler*innen Köln e.V.“, Mathiasstr. 13, 50676 Köln. Bis 24. Oktober, Öffnungszeiten: Mittwoch und Donnerstag 14-18 Uhr, Eintritt frei. Anfahrt: KVB-Bahnlinien 1,5,7,9 – Heumarkt; KVB-Buslinien 133, 132 – Heumarkt, 178 – Mühlenbach
„Communal Thread No. 2“ – noch bis Mitte Oktober, Standorte der 27 Kunst-Litfaßsäulen unter www.stadt-koeln.de/kunstsäulen
Unser Titelbild zeigt „Communal Thread No. 2“: Arbeit von Céline Berger an einer Litfaßsäule in Nippes. (Fotos: JS)