„Demokratie ist alternativlos!“ – NS-Dokumentationszentrum startet Spendenaktion gegen rechte Ideologien
Angedacht wurde der Spendenaufruf schon vor ein paar Wochen. Nicht zuletzt die hohe Zustimmung für die rechtsextreme AfD und deren faschistische Führungspersonen bei den jüngsten Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen gaben dem NS-Dokumentationszentrum und seinem Förderverein „ELDE-Haus“ jetzt den letzten Anstoß: Sie gaben den Startschuss für die Aktion „Demokratie ist alternativlos!“.
Man wolle ein „starkes Zeichen gegen Rechtsextremismus, Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus und andere diskriminierende Ideologien setzen“, erklärten NS-Dok-Direktor Henning Borggräfe, Claudia Wörmann-Adam und Martin Sölle vom Fördervereinsvorstand. Dabei geht es zum einen um Erinnerungsarbeit und – ebenso wichtig – um die Auseinandersetzung mit aktuellen Formen solcher Weltanschauungen. Dies geschieht schon seit mehreren Jahren im Bereich Gegenwart (früher: Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus) durch wissenschaftliche und pädagogische Arbeit.
Vier Projekte sind schon geplant
Borggräfe hat schon vier sehr konkrete Projekte, die er gerne mit Spendengeldern umsetzen würde. Da wäre zum einen die Ausweitung des Angebots für Schul-Workshops, in deren Mittelpunkt Aufklärung it gegen Rechtsextremismus und Rassismus steht. 130 Können jährlich kostenlos angeboten werden, das Geld dafür kommt von der Stadt. „Die Nachfrage ist groß, in diesem Jahr können wir nicht alle Wünsche erfüllen“, so der NS-Dok-Chef. Er würde gerne 30 mehr anbieten. Kosten hierfür: 13.000 Euro.
Immer wieder kommt es auch in Köln vor, dass rechtsextrem orientierte Gruppen Räume etwa in Kneipen anbieten, ohne im Vorfeld ihre Identität zu verraten. Hier soll die Broschüre „Keine Räume für Hetze“ helfen, solche Nachfragen zu erkennen und Vermietungen aus Unwissenheit zu verhindern. 3.500 Euro würden für den Druck ausreichen.
NS-Dok-Chef setzt aufs Internet
50.000 Euro würde es kosten, die rund 1.000 Interviews mit Zeitzeugen aus der NS-Zeit in einem bundesweiten Online-Portal zugänglich zu machen. Hier berichten Juden, politisch Verfolgte oder Zwangsarbeiter, aber auch „ganz normale“ Kölner und Kölnerinnen, wie sie die Jahre im sogenannten „Dritten Reich“ erlebt haben.
Finanziell größtes Projekt ist ein kritisches Verzeichnis über Kölner Denkmäler und Denkzeichen wie Straßennamen, die an die Gräuel der NS-Zeit erinnern. Das erste Denkmal wurde immerhin schon am 1. Juni 1945 am Hansaring eröffnet. Auch hierfür soll ein Online-Portal entwickelt werden, verbunden mit Workshops zur Erinnerungs- und Gedenkkultur. 80.000 Euro wären hierfür erforderlich.
Auch die Initiative „Buchenwald ist überall“ braucht Hilfe
Der Spendenaufruf richtet sich an Privatpersonen, Institutionen, Vereine und Unternehmen. Zugleich wird für eine Mitgliedschaft geworben. Außerdem wird zu Solidarität und Hilfe für den Förderverein der Gedenkstätte Buchenwald und dessen Initiative „Buchenwald ist überall“ aufgerufen. Der Name verweist auf die 140 Außenlager des KZs bei Weimar, eines davon im ehemaligen Messelager Köln-Deutz. Auch viele Kölner Gegner und Gegnerinnen des Nationalsozialismus wurden in Buchenwald inhaftiert, gefoltert und ermordet.
Nicht zuletzt durch die Sperrminorität, die die AfD jetzt im Thüringer Landtag hat, sieht man in der Buchenwald-Gedenkstättenverwaltung die künftige Finanzierung der Arbeit gefährdet. Deren Leiter Jens-Christian Wagner erhielt Morddrohungen, als er vor der Landtagswahl der AfD in einem 350.000-fach verschickten Brief Verharmlosung der NS-Verbrechen vorgeworfen hatte.
Jürgen Schön
Spenden an den Verein EL-DE-Haus.
Spendenkonto: Verein EL-DE-Haus, Sparkasse Köln-Bonn,
Stichwort: Demokratie ist alternativlos
IBAN DE03 3705 0198 0008 1922 05, BIC: COLSD33
Spende Förderverein Buchenwald e.V., Sparkasse Mittelthüringen
IBAN: DE18 8205 1000 0301 0211 71
Die Spenden sind steuerlich absetzbar.
Zu unserem Titelbild: Das EL-DE-Haus am Appellhofplatz in Köln - seit Jahrzehnten zentraler Ort der Erinnerung an die Gräuel der NS-Zeit und Ort der Aufklärung und Mahnung vor einer Wiederkehr (Fotos: JS)