Köln

Ein informativer und origineller Blick zurück: „Adenauerianer – Gestalter. Macher. Zauberer: Wem wir die Republik verdanken“ 

Ein informativer und origineller Blick zurück: „Adenauerianer – Gestalter. Macher. Zauberer: Wem wir die Republik verdanken“ 

Am 23. Mai 1949 wurde das Grundgesetz verabschiedet und damit die Bundesrepublik Deutschland gegründet. Das 75. Jubiläum dieses Ereignisses war Anlass für zahlreiche Bücher. Vier Autoren reihen sich jetzt mit „Adenauerianer – Gestalter. Macher. Zauberer: Wem wir die Republik verdanken“ – erschienen im Dittrich Verlag – in diese Bücherflut ein. Ein etwas sperriger Titel für die Honorierung der vielen Menschen, die von den ersten zwei Jahrzehnten dieser Republik geprägt wurden und diese ihrerseits oft noch lange danach prägten. Viele wurden zum Vorbild späterer Generationen. 

Autor Konrad Adenauer ist als Enkel (geboren 1945) des ersten deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer (1876-1967) ein „Adenauerianer“ im besten wörtlichen Sinne. Der Notar ist in zahlreichen Geschichtsvereinen engagiert und kennt sich nicht nur umfassend in der Geschichte der einflussreichen Familie aus. Der Publizist und Geisteswissenschaftler Hugo Bergham, der Historiker, Journalist und Kommunikationsmanager Christoph Hardt sowie der Autor und Politologe Henner Löffler komplettieren das Autoren-Quartett. 

Bewegte Jahre für den jungen Staat 

Bundeskanzler Adenauer dankte nach 14 Jahren ab. Es waren bewegte Jahren für den jungen Staat. Nur einige Stichworte: Wirtschaftswunder, Aussöhnung mit Frankreich, Pakt mit Israel, Wiederbewaffnung, Beitritt zur Nato, Kalter Krieg, SPIEGEL-Affäre. Ereignisse, von denen viele bis heute das Handeln bestimmen. 

In 17 Kapiteln beleuchtet das Autoren-Quartett die Auswirkungen in verschiedenen Bereichen von Gesellschaft, Kultur und Politik: Religion, Literatur, Theater, Sport, Architektur, Fernsehen und Rundfunk, Printmedien, Wissenschaft, Film, Mode, Handel und Musik ergeben ein breites und detailreiches Spektrum. Dazu erwählen sie jeweils eine Person quasi als richtungsweisende Leitfigur, die dann zu weiteren wichtigen Vertretern bis in die Gegenwart führt. Der Index führt über 700 Namen auf. Für diese Zeit nicht verwunderlich: die meisten sind Männer. 

Neuanfang auf Trümmern 

Es ist ein Wiedersehen mit bekannten und fast vergessenen Namen, eine spannende nostalgische Lektürereise in die Vergangenheit. Mit vielen überraschenden Details – etwa dass die Deutsche Bundespost beiden großen christlichen Konfessionen das Recht einräumte, jährlich einen Anlass für eine Sondermarke zu benennen. 

Wer seine Verstrickungen mit der NS-Diktatur verschwieg, konnte Karriere machen. Wie Werner Höfer, mit seiner journalistischen Fernsehrunde „Internationaler Frühschoppen“ Geburtshelfer für einen kritischen und diskussionsfreudigen Journalismus. Als in den 1970er Jahren bekannt wurde, dass er 1943 in einer Zeitung des Todesurteil für den systemkritischen Pianisten Karlrobert Kreiten verteidigt hatte, war dies das Ende seiner Karriere.

In anderen Fällen fiel es der deutschen Öffentlichkeit leicht, bekannte Unterstützer des NS-Systems in Politik, Verwaltung oder Wirtschaft zu „übernehmen“. Gab es doch nach der Niederlage nicht genug unbelastete Experten, deren Kenntnisse für den Aufbau einer neuen Gesellschaft gebraucht wurden. Wie im Fall von Hans Globke. 1935 immerhin Kommentator der Nürnberger (Rasse-)Gesetze und nach 1945 enger Vertrauter Helfer von Konrad Adenauer im Kanzleramt.

Jürgen Schön

Konrad Adenauer, Hugo Bergham, Christoph Hardt, Henner Löffler: „Adenauerianer – Gestalter. Macher. Zauberer: Wem wir die Republik verdanken“ – Dittrich Verlag, Weilerswist-Metternich 2025. Paperback, 427 Seiten, 22,90 Euro

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Emma
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