Erklärung des Vatikans „mehr als enttäuschend“
Im Dezember letzten Jahres hat der Vatikan die Segnung homosexueller Paare offiziell erlaubt. Ein Schritt, auf den viele Gläubige lange gewartet hatten – denn er ist vor allem ein Zeichen; für mehr Toleranz und Fortschritt in der katholischen Kirche. Nun sorgte eine Veröffentlichung des Vatikans für Zweifel am Fortschritt.
#dignitas #infinita #menschenwürde #vatikan #papstDie unendliche Würde des Menschen
Anfang dieser Woche veröffentlichte der Vatikan eine Erklärung zur Menschenwürde. In der „Dignitas infinita“ (lateinisch für „unendliche Würde“) wird das Verständnis der Würde des Menschen in der christlichen Anthropologie hervorgehoben und in seiner ganzen Tragweite auf allen möglichen Ebenen erläutert. Diese Würde sei gottgegeben und komme jeder menschlichen Person unabhängig von allen Umständen und ihrer Situation zu. „Verstöße“ gegen diese Würde wie Krieg, Misshandlung oder Menschenhandel verurteilt die Erklärung dabei scharf.
Kritik an der Erklärung
Kritik kommt vor allem aus der queeren Community. Denn die wird in der “Dignitas infinita” verurteilt. Die Erklärung unterstellt trans* und nicht-binären Personen, sich gegen die gottgegebene Geschlechterordnung zu stellen. Den eigenen Köper verändern zu wollen, sei gleichzusetzen mit dem Versuch, sich mit Gott auf eine Stufe stellen zu wollen, heißt es in der Erklärung. Geschlechtsangleichende Maßnahmen seien daher ein Verstoß gegen die Menschenwürde.
„Die Ausführungen in dem Papier Dignitas infinita zu Geschlecht stammen aus einem anderen Jahrtausend.“ – Kalle Hümpfner, Bundesverband Trans*.
Kalle Hümpfner, Leitung der gesellschaftspolitischen Arbeit des Bundesverbands Trans* äußerte harsche Kritik an der Erklärung. Es würde ein gefährliches Gedankengut transportiert, das trans* Personen die Entscheidung über den eigenen Körper abspreche und wissenschaftliche Perspektiven auf Geschlecht diffamiere. „Es ist mehr als enttäuschend, dass progressivere Stimmen im Umgang geschlechtlicher Vielfalt wie der Synodale Weg in Deutschland innerhalb der katholischen Kirche nicht im Ansatz aufgegriffen werden.“ So Hümpfner. Der Synodale Weg ist ein Gesprächsforum, das sich für die strukturierte Debatte innerhalb der katholischen Kirche einsetzt. Ziel ist die Aufarbeitung von Fragen etwa rund um Sexualität, Partnerschaft, Geschlechterrollen oder Machtverteilung in der Kirche.
„Das Papier zementiert den Status Quo“ – Jenny Wilken, dgti.
Auch Jenny Wilken von der deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (dgti) äußerte Kritik an der Erklärung. “Die katholische Kirche akzeptiert queere Menschen nicht und versteht nicht, dass Homo- und Bisexualität sowie Trans*- und Inter*Geschlechtlichkeit Normvarianten der menschlichen Entwicklung sind.”, so Wilken gegenüber QueerEinstieg. Gerade auch der Papst zeige seine Ahnungslosigkeit und Engstirnigkeit mit veralteten Moralvorstellungen durch Aussagen über "Gender-Ideologie" und zu trans*Personen.
Wilken verweist in ihrem Statement jedoch auch auf die positiven Entwicklungen hierzulande. Die Initiative Out in Church habe schon viel bewegt. Auch das Projekt Reformation für Alle mache deutlich, dass trans*Personen zur Vielfalt von Gottes Schöpfung dazugehören.