Sexkauf - Prostitution verbieten? Das sind die harten Fakten
Braucht Deutschland ein Sexkaufverbot? Seit Jahren wird diese Frage immer wieder gestellt und sie ist immer noch nicht abschließend beantwortet. In dieser Reihe erklären wir dir die wichtigsten Punkte der Diskussion rund um den Sexkauf. Dieses Video behandelt die reine Datenlage von Prostitution - und warum Deutschland mittlerweile das Bordell Europas ist. #prostitutionindeutschland #sexarbeit #datenlage
"Das Bordell Europas" - der Name kommt nicht von ungefähr
2013 war die Ukraine innerhalb Europas das Reiseziel schlechthin für Sextourismus. Heute stellt Deutschland dieses Zentrum dar. Denn die hiesigen Prostitutionsgesetze gehören zu den liberalsten Europas. Mit der Legalisierung kommen Regelungen. Eine davon ist die Registrierung: Wer als Sexarbeiter*in in Deutschland arbeiten möchte, muss sich anmelden. Wie wir hier noch sehen werden, wird diese Regelung seit Jahrzehnten erfolgreich unterwandert.
Registrierungen liegen weit unter der vermuteten Dunkelziffer
Die Anzahl von Prostituierten in Deutschland wird insbesondere durch konservative Interessensverbände in die Höhe geschätzt. Mittlerweile ist deutlich, dass 400.000 Sexarbeitende (wie die Organisation HYDRA sie nennt) oder sogar 200.000 mit aller Wahrscheinlichkeit zu hoch eingeschätzt ist. Die Hilfsorganisation Donna Carmen hat dazu ein Statement abgegeben. Ihren Schätzungen zufolge liegt die Zahl bei unter 90.000 Arbeiter*innen.
Die Coronakrise sorgte für (Un-)sichtbarkeit
Die Probleme von Sexarbeiter*innen wurden insbesondere durch die Corona-Krise deutlich: Bordelle und Laufhäuser mussten schließen, sodass die Arbeiter*innen ihrer Arbeit nicht mehr in einem dafür vorgesehenen Setting nachgehen konnten. Außerdem waren körpernahe Berufe zeitweise verboten. Es wird geschätzt, dass gerade einmal 5% der Prostituierten in Deutschland diesem Beruf freiwillig nachgehen, während 95% unter Zwangsprostitution leiden. Gerade diese große Gruppe rutschte in der Coronazeit noch weiter in die Illegalität ab.
Unmenschliche Arbeitsbedingungen
Die Bedingungen, unter denen Menschen in der Sexarbeit arbeiten müssen, sind alles andere als menschlich: 1,2 Millionen Freier (Anmerkung der Redaktion: Diese Zahl ergibt sich aus der veralteten Schätzung von 400.000 Prostituierten) suchen in Deutschland täglich Prostituierte auf. In sogenannten Flatratebordellen sind es bis zu 60 Freier - innerhalb von 14 Stunden. 95% der Sexarbeiter*innen erfahren bei der Arbeit sexuelle Belästigung. 80-90% berichten von sozialer Geringschätzung. 60-75% werden vergewaltigt. Das geht nicht spurlos an den Arbeiter*innen vorbei: Mindestens 68% der Frauen leiden unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Zu männlichen Sexarbeitenden gibt es in diesem Punkt keine Statistik.
Die Freier sehen das Leid der Arbeiter*innen - helfen aber fast nie
Was ist denn eigentlich die Sicht der Freier auf die Situation? 62% von ihnen vermuten Menschenhandel bei den Sexarbeitenden, denen sie begegnen, gerade mal 1% erstatten Anzeige. 57% der deutschen Freier wählen die Frau nach ethnischen Stereotypen aus. Und 76% gehen davon aus, dass Prostitution Vergewaltigung verringert. Sollte das nicht durch Gesetze geregelt werden? Eigentlich schon - und mit den zwei wichtigsten Gesetzen dieser Thematik befassen wir uns in der nächsten Folge.